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16.10.2005 - 00:00:00

WOLFGANG NIEDECKEN
BAP-Boss Niedecken huldigt Vorbild Bob Dylan!

Niedecken erweist bei seinem außergewöhnlichen Projekt dem Mann seine Referenz, der für ihn der "Einstein der Musik" ist!

Es ist wohl der Traum vieler Musiker, einmal mit dem eigenen größten Idol auf Tour zu gehen. WOLFGANG NIEDECKEN, als Frontmann der Kölner Rockgruppe Bap selbst Vorbild zahlreicher Musiker, kommt nun der Erfüllung dieses Wunsches nahe.

Niedecken huldigt dem großen Sänger und Songschreiber Bob Dylan mit einer musikalischen Lesung in 14 deutschen Städten. Beim Tourstart am Freitagabend in der Alten Oper Frankfurt feierten rund 600 Fans Niedecken und Dylan.

Der Boss einer der erfolgreichsten Rockbands Deutschlands zeigte sich in ungewohnter Manier. Sonst der Auftritt in großen Hallen, jetzt der beschauliche Mozart-Saal des Frankfurter Musentempels. Sonst meist frenetischer Jubel während der gesamten Show, jetzt vor allem andächtige Stille während des Vortrags. Sonst fast ausschließlich lauter Rock'n'Roll mit Band im Rücken, jetzt gesprochene Worte im Wechsel mit ein paar leisen Folk-Songs mit Gitarre- und Mundharmonika-Begleitung.

Niedecken huldigt bei seinem außergewöhnlichen Projekt dem Mann, der für ihn der "Einstein der Musik" ist und ihn nach eigenen Angaben "wie ein Urknall" Musiker werden ließ, als der 1951 geborene Kölner im Alter von 14 Jahren den Amerikaner entdeckte.

Im Mittelpunkt des Abends in Frankfurt stand der vor einem Jahr erschienene erste Teil der Tagebücher Bob Dylans mit dem Titel "Bob Dylan Chronicles, Volume One". Darin räumt der heute 64 Jahre alte Musiker mit Mythen und Legenden auf und schildert auf 300 Seiten seine Sicht der Dinge. Dylans unverhohlenem Bewunderer Niedecken war bei der Lesung der ausgewählten Passagen anzumerken, dass er sich bestens mit ihnen identifizieren kann.

Niedecken berichtete mehr, als das er las, etwa von Dylans erstem Vertrag beim legendären Columbia-Label mit 100 Dollar Vorschuss zu einer Zeit, als Folkmusik als "Schund" galt, oder vom "Kiffergerede", dass der US-Künstler sich für einen PR-Text ausdachte. Vom Bericht über Dylans ersten Trip nach New York, wo der Amerikaner sein großes Vorbild Woody Guthrie suchen wollte, ging es schnell zur Woodstock- Zeit.

Damals wurde Dylan zum unfreiwilligen "Prinzen der Protestbewegung" und "Obermufti" wider Willen, obwohl er doch "wenig mit denen gemein hatte, deren Sprachrohr ich sein sollte", und sich eigentlich nur um seine Familie kümmern wollte, wie der amerikanische Songschreiber behauptet.

Mitten aus diesen längst vergangenen Zeiten, in die Niedecken sein Publikum auch mit den passenden Songs entführt hatte, riss der Kölner Musiker die Besucher, als er sie mit einem ironischen "Jetzt darf ich auch mal was sagen" zum "Prosecco-Alarm" in die Pause entließ. Im zweiten Teil des Abends erfuhr das Publikum noch von Dylans Unfall, der ihn ein Karriere-Aus befürchten ließ, von späteren fruchtbaren Schaffensphasen und von der Begegnung mit U2-Sänger Bono. Zum Ende des stimmungsvollen Programms ließ Niedecken ganz dem Meister den Vortritt, verschwand im Halbdunkel und schaute nun selbst als Fan mit dem Publikum eine Filmeinspielung über Dylan an.

Niedecken schuf authentische Atmosphäre und vermittelte - unterstützt von bewegten Bildern auf der Leinwand - das Gefühl, Dylan sei tatsächlich im Saal mit anwesend. Bei allen künstlerischen wie persönlichen Parallelen widerstand der Kölner Sänger aber der Versuchung, sein Vorbild zu imitieren. Bei seinen Liedvorträgen erinnerte er schon eher an den anderen großen und oft missverstandenen amerikanischen Sänger und Songschreiber, Bruce Springsteen.

Drei Stunden lang lauschten die Zuhörer dem auch für seine Marathonkonzerte bekannten Niedecken. Am Ende sprangen sie sofort von den Stühlen auf - den begeisterten Applaus gab Niedecken per Handbewegung symbolisch an die eigentliche Hauptfigur des Abends weiter. Als Zugabe sang der Kölner Rockmusiker das Lied, das ihn einst mit Dylan infizierte: "Like A Rolling Stone", im Original begonnen und dann ­- so viel Bap musste sein ­- in Niedeckens kölsche Version übergehend.

Bis zum 31. Oktober ist der Kölner Musiker noch ohne Band im Zeichen von Bob Dylan unterwegs. Im Frühjahr 2006 geht er mit seiner Stammformation auf Jubiläumstour: Bab feiert dann bereits 30-jähriges Bestehen.


 

Quelle: dpa

 

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