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26.01.2008 - 00:00:00

UDO JÜRGENS
Die CD "Einfach ich" im Test von Holger Stürenburg!

ACHTUNG: Udo ist heute (26.01.2008) in der Eurovisions-Show "Wetten, dass..?" (Wh.: So.morgen im ZDF) zu Gast!

73 und kein bißchen leise – eine solche allgemein geläufige Formulierung mag einwenig abgenutzt klingen, trifft aber fraglos den Kern der Sache. Während viele Menschen dieser Altersstufe ihr Rentnerdasein genießen, ist der Kärntner Schlagerchansonnier UDO JÜRGENS in seinem 74. Lebensjahr aktiver denn je und gleichsam generationenübergreifend in aller Munde.

Nach seinem kommerziell höchst rentablen 2005er-Studioalbum "Jetzt oder nie", daran anschließender Marathontournee ein Jahr darauf, inkl. perfekter Live-CD und –DVD, einzelnen Auftritten solo am Piano (die ebenso auf Bild- und Tonträger festgehalten wurden) und der Premiere des mit seinen bekanntesten Gassenhauern ausstaffierten und von ihm selbst maßgeblich mitgestalteten Musicals "Ich war noch niemals in New York" im Dezember 2007 in Hamburg, legte Udo Jürgens kurz nach Jahresbeginn sein brandneues CD-Werk vor: "Einfach ich" (Ariola/SONY-BMG) ist ein klassisches Udo-Jürgens-Album, das den Künstler wahrlich in Bestform zeigt. Die rund 53minütige CD beinhaltet die allseits beliebte und begehrte, einzigartige Udo-Mixtur aus feudalen, großorchestralen Balladen, fetzigen, urbanen, weltmännischen Up-Tempo-Kompositionen und augenzwinkernden, sacht überdrehten Swing/Jazz-Verschnitten.

Zwar fehlt auf "Einfach ich" der sonst von Udo gewohnte, ganz besonders hervorstechende Dauerohrwurm, der bislang auf nahezu jedem Album des unvergleichlichen Multitalents aus Klagenfurt vorzufinden war – Dafür aber wartet das Album mit durchgehend hochkarätigen Beiträgen auf gleichbleibend hohem Niveau, ohne jegliche Durchhänger, auf, die diesmal, gerade in textlicher Hinsicht, immens glänzen und darüber hinaus häufig endlich mal wieder den ironisch-zynischen Zeitgeistkritiker in Udo Jürgens zum Einsatz kommen lassen.

Zu den atmosphärischsten, aufrichtigsten, überzeugendsten Balladen auf Udos aktuellem Opus zählt zweifelsfrei der düster-nächtlich-gedämpfte Schleicher "Wo finde ich Dich?". Darin geht es um einen Mann, der am Straßenrand das zerrissene und zerknüllte Photo einer wunderschönen Frau findet. Er fragt sich, wer wohl so niederträchtig gewesen sein konnte, das Bild eines Mädchens mit einem so traumhaften Lächeln, mit so strahlenden Augen, einfach so achtlos wegzuwerfen. Geradezu wütend auf jene Person, zieht das Lied-Ich durch die Stadt und möchte eigentlich nur eines: Diese Frau ausfindig machen und all das wieder gut machen, was der Dummkopf, der ihr Photo mutmaßlich haßerfüllt in den Straßengraben geschmissen hat, ihr womöglich zuvor angetan hatte.


 



Ein faszinierender, wie gleichermaßen unendlich trauriger Titel, der dem Rezensenten ein ums andere Mal die Tränen in die Augen treibt.

Ebenfalls hochemotional und zugleich überaus nachDENKlich: "Warum Denken traurig macht", eine stille, pianobetonte Klangelegie, zu der der Interpret, ansonsten ja in erster Linie weniger Dichter, denn Komponist, selbst grazilste Worte fand. Das Lied-Ich entsinnt sich einer längst vergangenen Liebe... sehnt sich nach der gemeinsam verlebten Zeit zurück, nach den zusammen verbrachten Tagen und Nächten, nach – Textzitat – "Jedem Wort / Jedem Lachen / Jeder Stunde mit Dir" – all dies ist nun auf ewig vorbei – trotzdem DENKT das Lied-Ich Nacht für Nacht an diese Frau – und stellt regelmäßig unverblümt fest, daß "Denken traurig macht".

Der Titelsong "Einfach ich", wie eben erwähnte Lieder in balladeskem Kontext gehalten, erzählt von einem Mann, dessen große Liebe meint, ihn eigentlich schon jahrelang ganz genau zu kennen – und die doch immer wieder neue Facetten an ihrem Partner entdeckt, weshalb dieser ihr nun erläutert, letzten Endes "Einfach ich" zu sein. Er ist und bleibt dauerhaft ‚einfach er’ – und er hofft inständig, daß sie dies zu akzeptieren vermöge, ihr gleichfalls versprechend, es sei sein einziger Traum, ausschließlich da zu sein für sie.

Drei Songs auf Udos brandneuem Meisterwerk schießen lyrisch ungewöhnlich bissig gegen den herrschenden Zeitgeist, brillieren mit bitterbösen Wortspielereien und treffen somit genialisch manch wunden Punkt des gesellschaftlichen Denkens des Hier und Jetzt.

Da wäre zunächst die bläserbetonte, swingende erste Promo-Singleauskoppelung "Tanz auf dem Vulkan (Freut Euch des Lebens)" zu nennen, deren betont fröhliches, legeres Arrangement den ätzenden Textinhalt auf phantastische Weise konterkariert. Um den derzeit landauf, landab harsch diskutierten Klimawandel geht es in diesem eingängigen Hymnus, der mit Textzeilen der Sorte "Die Felder gespritzt / Die Kühe in Trance / Denn die sind gedopt / wie bei der Tour de France" mit dem konstruktiv diabolischen Wortwitz, etwa eines Heinz Rudolf Kunze oder Dr. Manfred Maurenbrecher, unterschiedslos mithalten kann.

Überdreht jazzig inszeniert, dreht es sich in "Völlig vernetzt" um die zunehmende, scheinbar unaufhaltsame Hypertechnisierung unseres Daseins: Internet, SMS, Navigator, Fax, E-Mail-Postfach, Handy und viele weitere "Errungenschaften" der heutigen Zeit werden in diesem so krassen, wie zutiefst trefflichen Titel grandios karikiert, zu dem Udos langjähriger Arbeitspartner und Freund Wolfgang "Der Trödler Abraham" Hofer die passenden Worte notierte.

Bereits im Jahr 1991 veröffentlichte Udo auf seinem für seine Verhältnisse enorm drastisch-rockigen Hitalbum "Geradeaus" ein zeitkritisches Lied namens "Fehlbilanz". Dieses zeichnete inhaltlich sehr pessimistische Prognosen für das, was auf uns zukommen könnte – mit nur leicht verändertem Text, wiederum aus der Feder Dr. Michael Kunzes, spielte Udo diesen Geheimtip, der niemals Single oder gar Hit war, 17 Jahre später für "Einfach ich" erneut ein – und tatsächlich sind die damals futuristisch ausgemalten Prophezeiungen so oder ähnlich anno Domini 2008 längst radikalste Realität geworden.

Auch Udos diesjährige, eher tanzbar-rockige Melodien haben es in sich: Im knackig-voranstrebenden "Nur die Sieger steh’n im Licht" fordert Udo strauchelnde, mißmutige, enttäuschte Mitmenschen dazu auf, sich niemals unterkriegen zu lassen, sondern stattdessen offensiv in die Zukunft zu blicken, da es "Sieger" in unserer Gesellschaft nun mal leichter haben, weshalb er zweifelnden Zeitgenossen deutlichst empfiehlt: "Versäum’ Dein Leben nicht / Mach jeden Tag zu Deinem Tag / Zum Tag der Zuversicht".

"Die unerfüllten Träume", abermals rasant, temporeich und hymnisch ausgestaltet, sollten ebenfalls jedem Menschen dazu dienen, sich wach zu halten, das Leben, so gut es geht, zu genießen, und das Bestmögliche daraus zu machen. Nicht weniger konsequent, rockig, treibend zeigt sich das grelle Epos "Liebe will alles", im Rahmen dessen Udo in nur 3:42 Minuten eigentlich – im wahrsten Sinne des Wortes – "alles" auf phänomenale Weise zusammenfaßt, was es zu den "berühmten Drei Worten" zu sagen gibt.

Der Rezensent, seit 1981 bekennender Udo-Freak, muß sich eingestehen: Es gab selten eine Scheibe seines langjährigen Idols, die ihn derart emotional berührt hat, die ihm so sehr tief ans Herz gegangen ist, wie "Einfach ich". Vorliegende CD überrascht mit einer unglaublichen inhaltlichen, wie musikalischen Vielfalt, betört durch lebensnahe, jederzeit nachempfindbare Lyrik, und versetzt den interessierten Zuhörer – auch ohne jegliche Dopingmittelchen – schier in Trance.

Im fünften Jahrzehnt seines musikalischen Schaffens ist Udo Jürgens aktueller und gefragter, denn je. Er ist ein Künstler, der sich nicht das Wort verbieten läßt. Ob er nun vor kurzem via Bild-Zeitung zum "Roland Koch des Deutschen Schlagers" erwuchs und grundehrlich feststellte, daß man kriminelle ausländische Jugendliche nicht unbedingt mit Samthandschuhen anfassen solle, oder er auf "Einfach ich" schlicht elektrisierende Lieder präsentiert – Udo Jürgens ist und bleibt "Up to Date" und wird uns garantiert noch viele, viele Jahre lang mit seiner Kunst aufrütteln, begeistern, zum Nachdenken, wie zum Träumen anregen. Und, wie man an seinem sensationellen Chartseinstieg mit "Einfach ich" auf Rang 9 der "Media Control"-Listen unschwer erkennen kann, möchten immer mehr Musikfreunde aller Altersstufen ihn bzw. seine wundervollen Lieder in ihrem CD-Spieler rotieren lassen!


Gesamtnote: Bestwertung

Quelle: Holger Stürenburg, 21./22. Januar 2008

 

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Kommentare:

27.01.2008 14:30:40

daumen im wind
na etwas eigenes urteilsvermögen sollte frau/man(n) sich schon behalten.

Es gibt andere Stimmen, als die "Jubelchöre" für dieses UJ Produkt. Z.B. meine ...siehe im netz

geschrieben von: claus stimpfig
 

26.01.2008 18:45:19

DANKE
Danke an Holger für diese Kritik. Er ist für mich der DAUMEN RAUF oder DAUMEN RUNTER Mann und ich werde mir erst jetzt, nach seiner Rezension die CD von Udo kaufen.

geschrieben von: Maren T.
 

 

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