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15.09.2006 - 10:23:00

Träumer (CD)

Veröffentlichung: 15.09.2006
Künstler: Georg Danzer- Webseite
Label: Koch Universal- Webseite
 
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Der Rückspiegel entzerrt so manches

I hab’ in mein Leben schon so viel erlebt,
i wass, i bin privilegiert
weil I hab a Hobby, des is mein Beruf
und des ist manchmal a sehr kompliziert


(aus "I fürcht mi ned")

Am 7. Oktober dieses Jahres wird Georg Danzer 60 Jahre alt. Zwischen dem 7. 10.1946 und dem 7.10.2006 liegen 40 Langspielplatten die sich allesamt gegen jede Kategorisierung wehren und am ehesten mit einem dieser Armbänder vergleichbar sind, auf denen sich Anhänger an Anhänger reiht. Jeder Anhänger ist ein eigenes Motiv aber als Ganzes mit einer Kette und deren Träger verbunden. In den frühen Siebzigern war "da Danzer" der Poet ("Der Tätowierer und die Mondprinzessin"), in der zweiten Hälfte des gleichen Jahrzehnts kamen die Hits ("Jö schau"). Dazwischen, wie es sich für einen ordentlichen österreichischen Schopfbraten gehört, die Fettadern ("Wixerblues"). Für die einen das Wahre am Schnitzel, für andere ein Kulturbruch. Die 80er des Herrn Danzer waren geprägt von Zornesadern am Hals ("Der alte Wessely") und auch von Einflüssen von Gegenden die nicht mit Wien an der Donau vergleichbar waren ("Weiße Pferde"). Die 90er wiederum standen für Heimkehr, die neuen Medien und ‚Austria 3’. So hat sich Jahrzehnt um Jahrzehnt angesammelt und in der Mitte des neuen Jahrtausends warf der Herr Georg auf einmal das Ruder herum und erinnerte sich seiner musikalischen Wurzeln. ‚Von Scheibbs bis Nebraska’ war ein sehr erdiges Album, in den USA produziert und ganz bewusst Schnick Schnack-freie Zone. Die Songs, jeder eine Geschichte für sic. Und man wurde das Gefühl nicht los, dass sich da ein Geschichtenerzähler in erster Linie wieder mit sich selbst beschäftigt und zur Höchstleistung aufläuft. Heute, ein Jahr danach, bestätigt Georg Danzer diese Vermutung.

‚Träumer’ heißt die aktuelle CD. Der Titelsong ist eine Rekapitulation der vergangenen 40 Jahre. Wie gesagt ‚Rekapitulation’ – keine Kapitulation vor der Geschichte. Die 60er Jahre mit all ihren Träumen, die Welt zu verändern… viele Irrwege - aber im Grunde nicht falsch und vor allem mit der Feststellung, dass man sich im Leben nichts von anderen ausradieren lassen soll. Oder wie heißt es, ‚die Hoffnung stirbt zuletzt’. Georg Danzer erklärt zum 60er, dass da immer noch der Träumer in ihm steckt. Schön arrangiert, im Dylan-Stil, so wie es damals anno `69 im Wiener Volksgarten rund um den Theseus-Tempel geklungen hat. Motto: Viel passiert all die Jahre, auch an Erkenntnis reifer geworden, aber aufgeben tut man einen Brief!

Träumer, die CD: Da ist aber auch wieder der Danzer der ganz tiefe Einblicke in seine Seele zulässt, so wie es schon seit Jahrzehnten nicht mehr der Fall war. Lieder wie ‚De glauben i hör’s ned’ jagen einem mehr als fünf Minuten lang den Schauer über den Rücken. Erzeugen Schmerzen weil man weiß, dass es genau so läuft. Und da ist immer wieder die Rede von Vergänglichkeit. Vom Sterben, von der Asche die im Beserlpark verstreut werden soll, von der Batterie die zur Neige geht und nicht mal mehr im Altersheim der Slip von Schwester Maria den Notstrom aktivieren kann. Selbst die Verabschiedung von der CD (‚Letztes Liad’) lässt insofern Fragen offen, ob mit 60 tatsächlich schon solche Gedanken im Texterkopf umrühren? Wie war denn das mit den Träumen im Titelsong, werden die 14 Lieder später durch die Schatten der Zukunft verdeckt?

Aber Hallo und Gott sei Dank: Durch diese immer wiederkehrende Beschäftigung mit der Vergänglichkeit brechen dann auf einmal Lieder wie ‚Ein Tampon und ein Kondom’ oder ‚Menschenkinder’. Spaßwuchteln die nicht platt wie eine Palatschinke daherkommen. Aber auch da wieder dieser Hinweis auf die vergangenen Jahre: ‚Es tuat ma lad’ ist wieder so ein Song der im Rückspiegel die Jahre entzerrt.

‚Träumer’ ist das 40. Longplay-Album des Georg Danzer und ist in seiner Art eine Geburtstagsplatte. Ohne Verzierung und zum Kerzenausblasen ist niemand geladen. Danzer der Poet, der Zornige, der Träumer, der Musikant, der Lyriker, der es stets geschafft hat, undressierte Texte wie wilde Pferde durch seine Lieder laufen zu lassen. Dieser Danzer wirkt auf dem Album ungeschminkt ehrlich. Die CD hört und liest sich wie "das waren 60 verrückte Jahre und was jetzt kommt, weiss keiner so genau…" oder vielleicht ist es gar nicht gut wenn man es wirklich so wissen könnte. Nur fürchten, fürchten braucht sich niemand, denn im Grunde erklärt ein einziger Spruch das, worauf es sowieso keine Antworten gibt: ‚Alles was mit mir geschieht ist zu meinem Besten, auch wenn ich es nicht sofort erkenne…’ Die Generation der Danzers dieses Landes ist eine geburtenstarke und wird sich in dieser CD mit Sicherheit wieder finden und wird auch ihre Träume behalten, denn mit diesen hat damals alles angefangen, im Sommer der Liebe 1968. Und wie gesagt: Aufgeben tuat ma a in Wien nur an Briaf!




TITELLISTE MIT HÖRPROBEN


01. Träumer
02. Menschenkinder
03. Wunderland
04. Alles was i brauch
05. Unsichtbar
06. I fürcht mi ned
07. Lass mi da ned lana
08. Mei aschen
09. Ein Tampon und ein Kondom
10. Es tuat ma lad
11. Stell da vor
12. Schwester Maria
13. Die glaubn, i hör´s ned
14. A letztes Liad (bonus track)


 

 
Fakten:
Veröffentlichung: 15.09.2006
Künstler: Georg Danzer - Webseite
Label: Koch Universal - Webseite
 
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