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26.02.2007 - 00:00:00

smago! KOLUMNE
"Die MDR Hitparade" - Hit oder Shit?!

Akzeptable Quote - vernichtendes Zuschauerurteil! Doch: War die Sendung wirklich SOOO schlecht?

Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann!

"Die MDR Hitparade", die am Freitag, den 23. Fernsehen 2007 von 20.15 Uhr - 21.00 Uhr zum ersten Mal über den Bildschirm flimmerte, war wie folgt angekündigt worden...:

"Das MDR Fernsehen führt seine Hitparaden-Tradition fort. Als einziger Sender im deutschen Fernsehen hat er ein musikalisches Hitparaden-Format im Programm. Die Zuschauer können live per Telefon ihren Favoriten bestimmen. Einmal im Quartal werden beliebte und bekannte Künstler der volkstümlichen Szene und des Schlagers ihre aktuellen Titel präsentieren."


- Soweit die einzige Vorab-Presseinformation des MDR. An und für sich ist die Pressestelle des Mitteldeutschen Rundfunks dafür bekannt, dass sie sehr effizient arbeitet. 3, 4, 5 Meldungen von der "MDR Pressestelle" pro Tag sind absolut keine Seltenheit. Bezüglich besagter "MDR Hitparade" aber tröpfelten die Informationen nur äußerst spärlich. Um nicht zu sagen: Im Grunde genommen gab es - bis auf die oben zitierte "Programmvorschau" - überhaupt keine. Lediglich die Moderatorin, Andrea Ballschuh, war im Vorfeld der Sendung noch bekannt gegeben worden.

Nun, was die Quote betrifft, so können die MDR-Programmverantwortlichen wohl ganz zufrieden sein. 410.000 Zuschauer und 8,8 % Marktanteil. Das ist nicht schlecht. Aber auch nicht wirklich gut. Sagen wir einmal: "3plus". Das Zuschauerurteil fiel jedoch absolut vernichtend aus. Bereits unmittelbar nach Ende der "MDR Hitparade" häuften sich im Gästebuch von www.smago.de die Einträge. Das smago!-Gästebuch wurde am Freitagabend durchweg als Ventil für geschundenen Schlager-Seelen genutzt...

Dabei, wenn man es ganz genau nimmt, hat der MDR den Zuschauern ja keine Falschinformationen aufgetischt. Vielmehr wurde durch bewusstes Weglassen diverser wichtiger Informationen (zum Beispiel, dass es sich um reine Clip-Hitparade handelt) eine viel zu hohe Erwartungshaltung bei den Zuschauern geweckt.

Nur wenige Schlagerfans indes dürften wohl tatsächlich damit gerechnet haben, dass sich Namen wie Andrea Berg, Semino Rossi, Die Flippers, Brunner & Brunner, Nicole, Michelle, die Kastelruther Spatzen, Hansi Hinterseer und aktuell vielleicht noch die Amigos im Sendestudio des MDR einfinden, um gegeneinander anzutreten.

Längst hat sich der MDR zudem den Ruf "erworben", mehr oder weniger ein Recycling-Center (bzw. -Sender) zu sein. Was ja andererseits wiederum durchaus verständlich ist, schließlich müssen die überdimensionel teuren "Feste der Volksmusik" des Herrn Silbereisen ja irgendwie bezahlt werden. Es muss also an anderen Stellen der Rotstift angesetzt werden!

Bis auf den Gästebuch-Eintrag von smago!-Leserin Andrea Meiffert ("Im Grunde genommen geht die Sendung in Ordnung. Hauptsache, wir haben eine Plattform für unsere Musik"), den wir voll und ganz unterstreichen möchten, fielen die Kritiken zur "MDR Hitparade" jedoch geradezu vernichtend aus.

Der einzig positive Aspekt bei den vielen Schimpf-Tiraden: Die Moderatorin Andrea Ballschuh blieb bei der Kritik nahezu völlig aus der Schusslinie. Kein Wunder, sie bewältigte ihre Aufgabe mit charmant-sympathisch-unaufdringlich. Die Kritik bezog sich vielmehr auf das Format an sich. "Hitparaden"-Experte Thomas Nobel (www.hitparadenforum.de - dem offiziellen Fan-Forum zur "ZDF-Hitparade")  beispielsweise befand: "...Dann lieber gar keine Hitparade!". 



Hier einige weitere Stimmen aus dem Gästebuch von www.smago.de zur "MDR Hitparade"...:


"dilettantischer Senf!"

"die reinste Retortenfarce!"

"alte Konserven - neu aufgetischt!"

"Der deutsche Schlager und die Zuschauer haben eine solche Frechheit nicht verdient!"

"billiger Zusammenklatsch alter Videos - einfach ätzend!"

"Wenn kein Sender gewillt ist, eine Live-Show wie die 'ZDF-Hitparade' zu produzieren, dann sollte man es lieber lassen und nicht die Gebührenzahler so zu verschaukeln!

"Soll das das Niveau sein, das wir alle mit unseren GEZ-Gebühren finanzieren?!!"

"Wenn der MDR alte Clips zeigen will, soll er das Tun, jedoch nicht unter dem Vorwand einer Hitparade!"


Nur selten klang Aufmunterndes durch...:

"Gebt Euch Mühe, Ihr könnt das besser!"


Auch Leserin Cornelia, die zwar auch schrieb: "Ich empfand die Hitparade im MDR Fernsehen als kalte Dusche", hat das Format an sich noch nicht ganz abeschrieben. "Ich würde die Sendung nicht absetzen, sondern ihr Leben einhauchen und noch mal über die 'Mischung' nachdenken..."



Nun verhält es sich ja so, dass es eine typisch deutsche Eigenschaft ist, erst einmal alles in Grund und Boden zu reden oder - wie in diesem "Fall" - gleich nach "Absetzung!" zu schreien.

Nur: Bei genauerer Betrachtung muss man zugeben, dass die Sendung sooo schlecht doch gar nicht war. Zunächst einmal ist es doch ein durchaus interessanter Gedanke, die Zuschauer über ALLE Stars abstimmen zu lassen (wobei die Bezeichnung "ALLE" natürlich auch relativ zu sehen ist, denn in der "MDR Hitparade" ist letzten Endes auch nur Platz für neun "Kandidaten"...) Eine Michelle beispielsweise wäre derzeit ohnehin nicht verfügbar aus "gesundheitlichen Gründen", die Kastelruther Spatzen und auch Hansi Hinterseer würden im jetzigen Stadium ihres Erfolges wohl kaum in eine solche Wettbewerbssendung wollen. Was lag also näher, als eine reine Clip-Hitparade ins Leben zu rufen? Wenn MTV seine Hitparade ausstrahlt, sind die Madonnas und Robbie Williams' schließlich auch nicht live im Studio.

Nur hätte der MDR das im Vorfeld unbedingt kommunizieren müssen! So wurde mit der hohen Erwartungshaltung der Zuschauer gespielt. Sicher kann sich die Pressestelle des MDR damit rein zu waschen versuchen, in dem sie beteuert, nichts Unwahres geschrieben zu haben. Allerdings hatten viele Schlagerfans in die nüchternen Zeilen des Mitteldeutschen Rundfunks sehr viele Illusionen mit hineininterpretiert, die dann letzten Endes in keiner Weise erfüllt wurden. Davor, dass sich viele Zuschauer nun vergaggeiert fühlen, können wir den MDR nun wirklich nicht in Schutz nehmen... Zwar wurde seitens des Senders niemandem das Versprechen gegeben, dass die "MDR Hitparade" eine Live-Hitparade mit "Live-Künstlern" darstellt, aber man hat es den Schlagerfans doch mehr oder weniger so (zumindest durch die Blume) suggeriert.

Auf der anderen Seite muss man natürlich auch sehen...: Wer mit "Hitparaden" hantiert, hat kein leichtes Leben. Das bekommen selbst wir mit unserer smago!-Hitparade immer wieder zu spüren. Und wie wir am Anfang bereits erwähnten, ist es illusionär, von einer Andrea Berg, von den Flippers oder sonstwem (in dieser Größenordnung) zu verlangen, an einem Freitagabend ins MDR Studio zu kommen, um gegeneinander in den Wettbewerb zu treten.

Auch wenn die MDR-Programmverantwortlichen derzeit ziemlich heftig im Kreuzfeuer der Kritik stehen, so hat das neue Format aus unserer Sicht durchaus eine Chance. Zumal wahrscheinlich diejenigen, die heute am lautesten schreien, dass sie sich die Sendung nie, nie wieder ansehen werden, morgen die ersten sein werden, die wieder einschalten.

Besserungsbedarf besteht in jedem Fall in punkto Aktualität der Wettbewerbstitel. Sicher, "Heute fühl' ich mich wie zwanzig" von Monika Martin ist ein echter Dauerbrenner im Funk, nur: Im Grunde genommen hat dieser Titel mittlerweile ein gutes Jahr auf dem Buckel. Von aktuell also nicht unbedingt die Spur...!

Ferner kann man sich darüber streiten, gleichzeitig die Kastelruther Spatzen oder Hansi Hinterseer auf der einen und Michelle oder Nic auf der anderen Seite ins Rennen zu schicken. (Andererseits gab es ja auch zu "Hitparaden" Zeiten bisweilen etwas seltsam anmutende Konstellationen...) Und natürlich haben die MDR-Macher kein leichtes Erbe angetreten.

Unverständlich bleibt ferner die Entscheidung, Andrea Ballschuh einen "Autor" vor die Nase zu setzen. Zumal Sie ja nun wirklich fast täglich (u.a. im Rahmen der ZDF-Magazin-Sendung "Volle Kanne - Service täglich") eindrucksvoll unter Beweis stellt, das sie eben in erster Linie von ihrer Spontaneität lebt. Warum lässt man sie nicht ihr eigenes (Dreh-)Buch schreiben? Kein Wunder, dass einige Leserinnen und Leser von www.smago.de befanden, Andrea Ballschuh sei in dieser Sendung "unterfordert" gewesen...

Man muss sich wohl oder übel mit dem Gedanken abfinden, dass es eine "Hitparade" im Stil von Dieter Thomas Heck, Viktor Worms und Uwe Hübner wohl nie wieder geben wird. Und eben deshalb sollte man dieser neuen Form der """Hitparade""" eine Chance geben. Zumal das Quoten-Ergebnis ja recht zufriedenstellend ausgefallen ist.

Wiederum auf der anderen Seite muss man sich natürlich die Frage stellen, inwieweit es Sinn macht, Künstler ins Rennen zu schicken, wenn die Fan-Clubs vorab nicht darüber informiert werden, dass ihr Liebling aktuell mit dabei ist? Eine "repräsentative" Hitparade kommt durch Ausschalten der Fan-Clubs noch lange nicht zustande...

Außerdem: Wenn man schon so eine "Hitparade" auf TED-Basis macht, wieso gibt man dann nicht zumindest die Top 3 bekannt?

Sollten die Künstler im Vorfeld vielleicht gefragt werden, ob Sie damit einverstanden sind, bei der "MDR Hitparade" ins Rennen zu schicken?

Unter Umständen muss der MDR damit rechnen, dass einige Künstler in Zukunft entsprechende Zusatzpassagen in ihre Verträge mit reinschreiben lassen, was die Zweit-, Dritt- und Viertverwertungen ihrer Auftritte betrifft. Dann würde sich dieses Problem irgendwann von selbst lösen. Was die etablierten Stars betrifft, die sich solche Spirenzchen erlauben können.

Eine reine Nachwuchs-Hitparade wiederum wäre für die Zuschauer vermutlich nicht attraktiv genug.

Denkbar wäre vielleicht, dass man pro Sendung drei Künstler live ins Studio einlädt, die dann gegen sechs "Video-Clips" antreten. Warum nicht zum Beispiel Acts wie CORA, Olaf Berger und Uta Bresan ins Studio einladen, die dann frei entscheiden können, ob sie live singen wollen (Olaf Berger und Uta Bresan) oder lieber Vollplayback (Cora?). Bei den Künstlern, die live singen, sollte das dann aber entsprechend eingeblendet werden...

Das wäre beispielsweise ein Lösungsansatz. 

Und dann der Sendeplatz!!! Der Freitagabendtermin um 20.15 Uhr ist vielleicht nicht unbedingt ideal. Warum geht man nicht auf den Mittwoch???

Was uns ebenfalls nicht ganz einleuchten will...: Monat für Monat veröffentlicht der MDR ohnehin die "MDR Schlager Charts". Wieso lässt man Andrea Ballschuh nicht quartalsweise die zehn größten Schlager-Hits der letzten drei Monate präsentieren? Und stellt den Künstlern frei, ob sie "live" in die Sendung kommen möchten? (Wobei, das dürfte vermutlich wieder an den Kosten scheitern...)

Oder: Warum aktiviert man nicht wieder "Das deutsche Schlagermagazin", das dann von Andrea Ballschuh zusammen mit Bernhard Brink moderiert wird? Oder (he, he!!!): Warum nimmt der MDR nicht das "smago!-Format" "Neu im CD-Regal" ins Programm (, das den Zuschauern eine Orientierungshilfe bietet, sich über die aktuellen Tonträger-Neuerscheinungen zu informieren)?

Fragen über Fragen...

Wir freuen uns im Übrigen auch weiterhin über Ihre Meinungen, die Sie im Gästebuch von www.smago.de verewigen möchten. Vielleicht haben Sie ja für die MDR-Programmverantwortlichen auch ein paar Tipps, was bei den nächsten Sendungen besser gemacht werden kann? Einige erste Ansätze haben wir ja bereits zur Diskussion gestellt (...wobei das mit der smago!-Show "Neu im CD-Regal" natürlich nur ein Gag war..., wenngleich: Warum probiert man nicht tatsächlich einmal eine solche Sendung aus?!).

Denn: So traurig es auch ist: Letzten Endes sollten wir dankbar sein für jedes "Format", das uns Schlagerfans noch bleibt. Zugegeben, die "MDR Hitparade" ist - speziell für eingefleischte Fans der "ZDF-Hitparade" "gewöhnungsbedürftig", aber: Muss man deshalb gleich nach ihrer Absetzung schreien?

Aller Anfang ist bekanntlich schwer. Als "Wetten, dass..?" erstmals auf Sendung ging, konnten sich auch nicht jeder auf Anhieb mit dieser neuen Idee anfreunden. Und als Thomas "Thommy" Gottschalk die Nachfolge von Frank Elstner antrat, hieß es: "Wir wollen unseren Frank Elstner zurück!". Vielleicht ist die Zeit einfach auch noch nicht reif für eine interaktive (Schlager-)Show (im MDR Fernsehen!). 

In diesem Zusammenhang sollte man unbedingt erwähnen, dass Uwe Hübner in Sachen "interaktives Fernsehen" echte Pionierarbeit geleistet hat. Seine Sendung "Plattenteller" (9Live) war zwar auch - im gewissen Sinne - eine Hitparade (in jeder Sendung gab es sogar mehrere Hitparaden...), nur hatten Hübner und sein Team nie das Publikum im Vorfeld glauben lassen, hier würde eine neue "echte 'Hitparade'" im Stil der legendären "ZDF-Hitparade" aus der Taufe gehoben.

Anders verhält es sich beim MDR, der sich zumindest für die Art und Weise "schämen" muss, wie im Vorfeld der Sendung mit den Illusionen und Erwartungen der Schlagerfans gespielt und (für die Quote) kalkuliert wurde. Vor diesem Hintergrund braucht sich beim Mitteldeutschen Rundfunk auch niemand über den Sturm der Entrüstung zu wundern. Denn: Ganz so blöd, wie man gemeinhin glaubt, ist das Schlager-Publikum nun doch nicht!!!


Bitte gestatten Sie und an dieser Stelle folgenden Hinweis/folgende "Schleichwerbung" Wirklich (vorwiegend!!!) AKTUELLE Titel hören Sie tatsächlich derzeit Woche für Woche nur in der smago! Radio Show "Neu im CD-Regal"!

 

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