24.01.2008 - 00:00:00
smago! KOLUMNE
Allergrößten Respekt, Franz Wolf von Koch Universal Austria!
Dass zwischen Koch Universal Music und smago! seit einigen Monaten Eiszeit herrscht, ist in der Musikbranche wohl längst kein Geheimnis mehr (- was ja nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass dieser "Zustand" jetzt auf immer und ewig so bleibt...).
Allerdings: Was Franz Wolf, seines Zeichens A & R (= Artists & Repertoire) Manager bei Koch Universal Music AUSTRIA in die Wege geleitet hat, verdient unseren uneingeschränkten Respekt. Und eben deswegen widmen wir besagtem Franz Wolf heute unserer Top-Meldung.
Franz Wolf hat in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "AlpenStar - Das Musikmagazin" (Nr. 2 - Februar 2008) eine ganzseitige Anzeige geschaltet, um gegen die Personalpolitik des ORF zu protestieren. Er hat ein äußerst beeindruckendes Plädoyer verfasst, dass wir Ihnen nicht vorenthalten möchten.
Auf E-Mail-Anfrage von smago!, ob wir seinen "Aufruf" veröffentlichen dürfen, kam innerhalb von zwei Stunden (!) eine Antwort. - Beispielhaft! (Und dass unser Anliegen positiv entschieden wurde, macht das Ganze nur noch schöner...)
Folgender Hinweis noch vorweg: Diese Gast Kolumne bezieht sich zwar (logischerweise!) in erster Linie auf den österreichischen Musikmarkt, insofern ist diese Meldung zunächst mal als Verneigung vor unseren zahlreichen Leserinnen und Lesern in Österreich zu verstehen. Und dennoch: Das Thema als solches geht uns alle an!
Und - was wirklich zu hoffen ist! -: Vielleicht macht dieser mutige Vorstoß von Franz Wolf auch in Deutschland Schule. Vielleicht steht auch in diesem unserem Lande endlich einmal jemand auf, wenn wieder eine wichtige Sendung abgesetzt oder ein beliebter Moderator "abgesägt" wird.
Hier zunächst einmal der vollständige Text von Franz Wolf, dem weiter unten noch ein kurzer Abschluss-Kommentar von smago! folgt.
DEMONTAGE EINES PUBLIKUMSLIEBLINGS BEIM ORF TIROL
Die seltsamen Entscheidungen gegen den Erfolgsmoderator Dr. Wolfgang Kirchmair
Die Verantwortlichen des ORF in Innsbruck entziehen dem langjährigen Moderator Dr. Wolfgang Kirchmair ab Anfang 2008 die Radiosendung "HIT-ARENA". Die Sendung war jeden Sonntag ein Fixpunkt für viele Hörer und Fans der volkstümlichen Musik und eine der beliebtesten Sendungen in Tirol bzw. bei vielen Freunden der Volksmusik auch außerhalb Tirols. Die Sendung soll es zwar weiterhin geben. Das "Markenzeichen & Aushängeschild" der Radiosendung werden aber entfernt und der Moderator wird "eingespart".
Leider ist dadurch die Volksmusikszene wieder um eine wichtige Informationssendung ärmer. Mit dem Slogan "Mein Land – meine Musik – Radio Tirol" wirbt der ORF Sender aus den Tiroler Bergen zwar jeden Tag mehrmals für sein Programm! Gespielt wird im heiligen Land Tirol aber im Endeffekt eine Vielzahl englischsprachiger Oldies bzw. die letzten Jahre wurden heimische Spitzeninterpreten mit System aus dem Tagesprogramm genommen bzw. sind teilweise im "normalen" Programm verboten.
Zu diesen namhaften Interpreten gehören zum Beispiel die Kastelruther Spatzen, Oswald Sattler, Ursprung Buam, Die Ladiner, Zellberg Buam, Die Stoakogler, Junge Zillertaler, Fidele Mölltaler, Die Edlseer und viele andere mehr.
Die "Volksmusikanten" brauchen einige Herren beim ORF in Tirol (und leider nicht nur in Tirol) fast nur noch diverse Benefizveranstaltungen, Herbstmessen oder Radiofrühschoppen. Eben immer dann, wenn Fans mobilisiert werden müssen und damit z.B. der "Tirol-Berg" auf der Frühjahrs- oder Herbstmesse in Innsbruck gut besucht wird.
Dr. Wolfgang Kirchmair macht seit mehr als 32 Jahren erfolgreich Musiksendungen. Er war einer der ersten, der z.B. damals die Zillertaler Schürzenjäger oder Kastelruther Spatzen ins Radio geholt hat und seine unzähligen Sendungen bzw. seine verlässliche Art wissen sehr viele Interpreten, Veranstalter, Tonträgerfirmen, und vor allem Radiohörer und Fans zu schätzen.
Seine fundierten Insiderinformationen, Veranstaltungshinweise, Neuvorstellungen, CD-Besprechungen, Musikwünsche und News waren immer informativ und fair bzw. Wolfgang Kirchmair gab auch immer wieder neuen Talenten eine Chance.
Leider ist die Situation nicht nur in Tirol schwierig geworden. In den Jahresauswertungen in Österreich von allen ORF-Landesstudios (Ö2 GESAMT) sieht man diese Tendenz ganz klar. So gab es im Jahr 2001 noch 47 deutschsprachige Interpreten, die mit einem aktuellen Lied über 1.000 Funkeinsätze pro Jahr aus Ö2 hatten. Im Jahr 2006 waren es nur noch 2 (!) Interpreten, von denen ein Lied über 1.000mal auf Ö2 gespielt wurde.
Die Verantwortlichen beim Radio vergessen leider, dass diese Musik nach wie vor sehr beliebt ist.
- TV-Sendungen erreichen Topquoten
- viele Interpreten erreichen nach wie vor Gold und Platinauszeichnungen
- Konzerte, Open Air Veranstaltungen, Zeltfeste etc. sind nach wir vor Publikumsmagnete und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor
- Die Volksmusikgruppen sind ein unbezahlbarer Werbeträger für ein Tourismusland wie Österreich
Anscheinend soll lt. Gerüchten im Herbst 2008 auch ein weiteres "Urgestein der Tiroler Radioszene" - nämlich INGO ROTTER - von den Verantwortlichen des ORF Tirol in "Zwangsrente" geschickt werden.
Deshalb mein Aufruf an ALLE Fans der volkstümlichen Musik.
Wenn sie mit der Situation nicht zufrieden sind, können SIE etwas ändern. Rufen sie beim Publikumsservice ihres Senders an.
Schreiben sie sachliche E-Mails oder Briefe und wünschen sie sich "ihre" Musik und "ihre" Moderatoren.
Schlussendlich sind wir alle Gebührenzahler und nur gemeinsam kann man etwas ändern.
Den ORF Tirol erreichen sie z.B. am besten unter:
publikumsservice.tirol@orf.at
Tel.: 0512-5343-26553
Adresse: ORF TIROL, Rennweg 14, A-6010 Innsbruck
Mit musikalischen Grüßen
Franz Wolf
A&R und Künstlerbetreuung
KOCH UNIVERSAL MUSIC GmbH

Wie gesagt: Dieser Text ist in Form einer ganzseitigen "Anzeige" im aktuellen "AlpenStar" auf Seite 2 nachzulesen.
smago! wiederholt es gerne noch einmal: Allergrößten Respekt, Herr Wolf, zu diesem ungemein mutigen Vorstoß.
"Wir werden die Personalpolitik beim ORF nicht ändern", weiß Franz Wolf. Im Endeffekt - und da stimmen wir ihm natürlich absolut 100%-ig zu - geht es um einen sehr wichtigen Wirtschaftsfaktor.
Und dass die gesamte Funksituation in Österreich (aber auch in Deutschland) wirklich schwierig geworden ist, das weiß nun wirklich ein jeder, der im Musikgeschäft arbeitet.
Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass diese gewagte Aktion nicht völlig verpufft. Aber vielleicht gehen die Österreicher ja eher für Ihre Stars auf die Barrikaden als die deutschen Schlager- und Volksmusik-Fans. Wir wünschen es Franz Wolf jedenfalls von ganzem Herzen!!!
Denn es ist großartig, dass es noch solche Menschen wie Franz Wolf (und auch Lothar Schwertführer, den Chefredakteur des "AlpenStar", der auch immer und immer wieder so schreibt, "wie ihm der Schnabel gewachsen ist") gibt, die bereit sind, sich auch einmal gegen eine Übermacht wie den ORF aufzulehnen. Persönlichkeiten, die eben nicht duckmäusern oder Speichel lecken.
smago! bittet daher alle Leserinnen und Leser - besonders in Österreich - sehr herzlich darum, Herrn Wolf in selbigem Anliegen zu unterstützen! Es muss endlich ein Ruck durch die Medien-Landschaft gehen!
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Kommentare:
24.01.2008 19:56:47
Natürlich hat er recht...
Ja, es ist in der Tat so, wie Herr Wolf schreibt. Natürlich darf man ein gewisses kommerzielles Eigeninteresse unterstellen - sind doch viele, wenn nicht gar alle aufgezählten Künstler bei Koch unter Vertrag.
Aber eins ist natürlich fakt: Wenn ich urlaubsbedingt in Tirol unterwegs bin, bin ich ich jedesmal erstaunt über die Radiolandschaft. Der einzige Sender, der im angemessenen Rahmen "unsere" Musik spielt, ist Radio 2000 (ein Privatsender aus Südtirol), der auch in Innsbruck eine Frequenz unterhält.
Natürlich gibt es viele Hörer, die diese Musik zu recht einfordern. So lange aber bei den Verantwortlichen Redakteuren der Jugendwahn grassiert und die werberelevante Zielgruppe der 18-49-jährigen angepeilt wird, werden wir uns weiter Nischensender suchen müssen. Ich möchte wirklich gern mal die Stiudien sehen, dass lediglich die "jungen" konsumfreudig sind. Ich arbeite selber in der Werbung, und erarbeite ständig Konzepte für Senioren, weil diese in der Zukunft für die Wirtschaft als Konsumenten immer wichtiger werden und sich der Anteil der jungen zu Gunsten der älteren Generation verschiebt. Man muss halt bloß andere Produkte in den Werbeblöcken vermarkten. Seniroen sind viel markentreuer als junge, und sie haben eine wesentlich höhere Kaufkraft. Wann sehen das die Verantwortlichen bei Funk und Fernsehen endlich ein? MAcht Programm FÜR euere Hörer, nicht gegen sie!
Hier in Sachsen haben wir mit dem MDR noch einen Sender, der seinem öffentlichen Auftrag gerecht wird und auch tagsüber außerhalb von Spezialsendungen (Deutsche Schlagerparade und Volkstümliche Hitparade) Schlager und volkstümliche Musik spielt. Es ist aber der einzige Sender auf dem sehr dichten Frequenzband. Bei Bayern 1 gab es vor einigen Jahren eine Programmreform - seitdem ist der Sender nicht mehr anhörenswert. Beliebte Moderatoren, zum Beispiel Walter Föhringer, verschwanden von heute auf morgen in der Versenkung. Wer sich mal durch das Gästebuch klickt, liest fast nur unzufriedene Einträge. Lesen die Verantwortlichen das auch mal durch? Könnte helfen...
geschrieben von: Normann
24.01.2008 16:38:04
Respekt
Allergrößten Respekt für Hr. Wolf, dem AlpenStar und smago.
Weiter so. Zusammen sind wir stärker.
LG aus Wien
Rudi
Radio Orange
geschrieben von: Rudi Schmalzl
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