22.04.2008 - 00:00:00
smago! INFORMIERT
LIDLs Charme-Offensive: 300 Euro für Spitzel-Opfer!
Der wegen massiver Bespitzelungen seiner Mitarbeiter heftig in die Kritik geratene Discounter Lidl www.lidl.de will Angestellte mit Zusatzleistungen bis zu 300 Euro besänftigen. Wie die Financial Times Deutschland heute, Montag, berichtet, hat das zur Schwarz-Gruppe gehörende Unternehmen zudem alle Bespitzelungsprotokolle vernichtet und alle Kameras abgebaut. Nachdem Lidl auch öffentlich verstärkt unter Druck geriet und daraufhin sogar Umsatzeinbußen durch ehemalige Stammkäufer zu beklagen hatte, scheint das Management nun offensiv mit dem Thema umzugehen (siehe HIER...:)
"Wir sind stolz auf unsere Mitarbeiter", sagte Lidl- und Kaufland-Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Gehrig gegenüber der Bild-Zeitung. Mit der einmaligen Zusatzprämie wolle man sich bei den Beschäftigten dafür erkenntlich zeigen, dass sie dem Konzern während der Krise trotz vielfacher Kritik der Kundschaft treu geblieben sind, so der Top-Manager. Die Pläne sehen vor, dass Vollzeitkräfte 300 und Teilzeitbeschäftigte eine entsprechend anteilige Zahlung bekommen sollen. Eine derartige Reaktion hatte der selbstständige Unternehmensberater Bernd Höhne www.jobdot.de im Gespräch mit pressetext bereits erwartet: "Wenn Lidl nach außen hin wieder positiv wahrgenommen werden möchte und das Kundenvertrauen erlangen will, geht dies nur über die eigene Belegschaft."
Unterdessen gibt sich Gehrig öffentlichkeitswirksam selbstkritisch und verweist darauf, dass "mehr persönliche Präsenz hätte gezeigt werden müssen". So betont der Manager auch, dass er von den aktuellen Bespitzelungsprotokollen nichts gewusst und "genauso fassungslos wie alle anderen" gewesen sei. Angesichts der Aufklärungsarbeit, die das Unternehmen nun betreibt, soll es den betroffenen Mitarbeitern möglich sein, die Protokolle einzusehen, bevor diese endgültig vernichtet würden, heißt es. Dennoch kündigte Gehrig die Installation neuer Kameras an. "Das geht bei einem Unternehmen mit 3.000 Märkten doch gar nicht. Wir werden wieder Kameras in den Märkten aufbauen - zum Schutz der Mitarbeiter und vor Dieben", erläutert Gehrig weiter.
"Anders als bei wissensintensiven Unternehmen wie beispielsweise IBM, wo Mitarbeiter keinen direkten Zugriff auf das Gesamtprodukt haben, sondern stets nur Träger eines bestimmten Teilwissens sind, halte ich die Überwachungsmaßnahmen in Lebensmittel-Discountern wie Lidl trotz des zurückliegenden Skandals für wichtig und unumgänglich", so Höhne auf Nachfrage von pressetext. Laut Gehrig soll die Umsetzung dieser Maßnahmen im offenen Gespräch mit den Mitarbeitern erfolgen, die ihre Zustimmung dazu geben sollten und sich die Filme jederzeit ansehen könnten. "Damit sich das Image Lidls in der Öffentlichkeit wieder regenerieren kann, ist dies nur über ein Höchstmaß an Transparenz möglich", erläutert Höhne weiter. Dazu sieht Lidl vor, den Kassenbereich von der Überwachung auszuschließen, um den Verdacht einer möglichen Ausspionierung von EC-Geheimzahlen zu entkräften.
Quelle: Pressetext Deutschland, Florian Fügemann
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