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02.08.2007 - 00:00:00

smago! GAST KOLUMNE
Schwere Zeiten für aktuelle Schlager und volkstümliche Musik!

"Der Bayerische Rundfunk sendet kaum noch Musik aus diesen Genres" - Lesen Sie hier - mit freundlicher Genehmigung der Fachzeitschrift "Der Musikmarkt" - einen Beitrag von Joachim Hendel mit Meinungen von u.a. Dieter Thomas Heck, Nicole, Ireen Sheer, Robert Jung...:

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die Rundfunk und Fernsehanstalten in erster Linie auf die "Jüngere Generation” schielen, wenn es um Quoten und Marktanteile geht. Die 14- bis 49-Jährigen müssen bei der Stange gehalten werden, denn diese Zielgruppe ist nach wie vor für die Werbewirtschaft am Interessantesten. Dabei ist doch längst erwiesen, dass die Alterspyramide schon seit Jahren auf dem Kopf steht und dass die Generation ab 49, diejenige also, die nachweislich an aktuellem Schlager- und volkstümlicher Musik interessiert ist, zugleich die finaziell stärkste in diesem Land ist. Bei Programmentscheidungen scheint aber diese Tatsache bei manchen Sendern keine Rolle zu spielen. Dabei vergisst man anscheinend auch, dass gerade die öffentlich rechtlichen Sender das Privileg besitzen, dass sie in erster Linie durch Rundfunkgebühren finanziert zu werden und somit auch die sträflich vernachlässigte Zielgruppe von 49 plus ein Anrecht hat, ebenso ihren Wünschen und Interessen entsprechend bedient zu werden – so wie die hart umkämpfte Gruppe der 14- bis 49-Jährigen.

Im Bayerichen Rundfunk jedenfalls ist dieser Zustand in Sachen aktueller Schlager und volkstümliche Musik inzwischen untragbar geworden. Mit seinen fünf Hörfunkprogrammen bietet er mitlerweile aktuellen "deutschen Schlager” und dem "volkstümlichen Schlager” überhaupt keine Plattform mehr. In Bayern 1 wirbt man neuerdings mit dem Slogan "Wir lieben Oldies” und spielt in erster Linie internationale Hits aus den 60er, 70er und 80er Jahren. Mit viel Glück hört man pro Stunde drei deutschsprachige Titel, wovon dann einer aus unserem Nachbarland Österreich stammt. Um die Hörer zu versöhnen, hat man - vermutlich als Alibifunktion - von Montag bis Freitag von 20 Uhr bis 21 Uhr die Sendung "Deutsch nach Acht” ins Programm genommen. Aber auch in dieser Sendung laufen zu 90 Prozent nur alte Titel, von volkstümlicher Musik ganz zu Schweigen.


 



Beim Bayerischen Rundfunk scheint man nicht registriert zu haben, dass Programme wie WDR 4, SWR 4 Baden Württemberg, SWR 4 Rheinland Pfalz, HR 4, oder NDR 90,3 (Hamburg Welle) und NDR Radio Niedersachsen mit den Schlager und volkstümlichen Formaten seit Jahren auf Erfolgskurs sind. Ähnlich ist die Situation bei den drei MDR 1 Sendern und dem RBB. Also: Wie sieht es eigentlich beim BR mit dem Hörfunkauftrag beziehungsweise Kulturauftrag aus?

Joachim Hendel


 

Nachstehend veröffentlichen wir einige Meinungen von Brancheninsidern zu diesem Thema...:


Es ist eine Katastrophe, nicht nur in Bayern! Das kleine Bundesland Bremen zum Beispiel bietet mir 4 Programmen - Gebührenfinanziert - kaum noch eine Möglichkeit populäre deutschsprachige Musik zu hören, ein Skandal! Die Rundfunkräte von ARD und ZDF sind die höchsten Kontrollinstanzen für die öffentlich rechtlichen Anstalten.

Hier mal den Hebel eines aufklärenden und fordernden Rundschreibens anzusetzen scheint mir nicht nur nötig, sind auch Erfolg versprechend zu sein.

Erich Offierowski    

 


Ich habe ein doppeltes Problem - Ich singe deutsch und bin auch noch aus dem Osten. Das ist ja nun ganz furchtbar. Seit ewigen Zeiten haben wir Sänger zu den Rundfunk-anstalten in Deutschland ein gutes, manchmal sogar freundschaftliches Verhältnis, weil wir voneinander abhängig sind. Im letzten Jahr war ich sogar nach zig Jahren wieder mal bei Bayern 1 und durfte dort ein Interview machen. Ich merkte aber schon beim Gespräch, wie lustlos und genervt man war, so in dem Sinne - es hat ja doch alles keinen Zweck mehr. Die Haltung war ähnlich der bei "uns”  vor der Wende!

In Frankreich würde man schon aus Stolzgründen einen Aufstand machen, wenn die eigene Sprache so missachtet würde. Ich möchte den Sender herzlich bitten, das Publikum und uns ernst zu nehmen und seine Haltung zu überdenken.

Frank Schöbel


Ich hatte mit dem Titel "Luftballon” mit Frans Bauer wirklich einen Gassenhauer, ringsherum beste Hitparadenplätze und gute Rundfunkeinsätze, nur bei Bayern 1 nicht. Von dort bekam ich von einem Musikredakteur die Auskunft: "Eine Super-Produktion, ein guter Text - aber wir haben keine Schiene für so eine Musik.”

Robert Jung


Man muss sich schon sehr wundern, wie man bei manchen Rundfunksendern (Bayern 1) mit seinen Hörern umgeht. Ärgerlich ist, dass der "deutsche Schlager” und "volks-tümliche Schlager” überhaupt nicht mehr statt findet. Aber nun kommt es noch besser, Bayern 1 ist nun der Meinung, dass er mit seiner Sendung "Deutsche nach Acht” von 20 bis 21 Uhr seinen Hörern einen großen Wunsch erfüllt, aber das stimmt ja wohl nicht. Denn zu dieser Zeit schauen die meisten Hörer die Tagesschau und zappen sich dann von Sender zu Sender. Da lobe ich mir WDR 4, hier wird die Musik gespielt, die die Hörer wirklich wollen.

Fritz Tillack

 

Ich finde es sehr bedauerlich, dass immer mehr Radiosender keine deutschsprachige Musik mehr spielen. Aber noch bedenklicher ist, dass diejenigen Sender, die deutsch-sprachiges Programm machen, keine aktuellen Produktionen der Künstler spielen, sondern "veraltetes Material!" verwenden. Für Newcomer ist die Chance nahezu gleich Null in der hiesigen Musikbranche Fuß zu fassen. "Oldies sind Goldies" unbe-stritten, aber wir leben im Heute und unsere Sichtweise ist doch eher zukunftsorien-tiert. "Innovation" heißt das Zauberwort in ganz Deutschland im Bereich Wirtschaft, Technik, Forschung etc.. Warum soll das nicht auch für die Kultur zutreffen? Ich würde es mir sehr wünschen, denn sonst wird einer der schönsten Berufe der Welt irgendwann aussterben. Wer mir am meisten leid tut, sind die vielen Menschen, die sich mit meinen Liedern, insbesondere mit den Texten identifizieren, denen ich damit Freude bereite, die daraus Hoffnung schöpfen oder Trost finden in schwierigen Lebenssituationen. Ich möchte weiter für sie da sein.

Nicole

Es ist natürlich ein Unding, dass ein Sender wie Bayern 1, der noch dazu ein Urlaubs-sender sein sollte - denn man muss überlegen - wie viele Deutsche in Bayerischen Landen Urlaub machen, sich so völlig gegen den Schlager wendet, einer der meist gewünschtesten Formen der Musik überhaupt. Die Zeiten haben sich geändert, aber dass es so schlimm wird, damit hat, glaube ich, kein Mensch gerechnet.

Dieter Thomas Heck


 

Die Positionierung unserer deutschen Schlager- und Popmusik in den Radiopro-grammen wird immer schlimmer. Der Bayerische Rundfunk setzt sich leider an die Spitze dieser Entwicklung mit dem Ghetto "Deutsch nach Acht". Ich bin jedes Jahr viele 10.000 Kilometer mit dem Auto unterwegs und höre, wo immer es möglich ist die regionalen Radiosender. Leider gibt es kaum noch eine Sendung, die wirklich frisch und unterhaltend ist. Entweder werden die Top 20 der letzten 30 Jahre rauf und runter gespielt, oder die Oldies der 60er und 70er Jahre. Und das auch bei unserer Musik. Das soll nicht bedeuten, dass ich meine Titel von damals, z. B. "Goodbye Mama" oder "Feuer" nicht hören möchte. Aber meine Musik und auch der Musik-Geschmack unserer Fans haben sich weiter entwickelt. Was vor zwanzig Jahren Schlager war, ist heute "volkstümliche Musik" - und wir "Schlagersänger" machen heute moderne Popmusik. Leider nehmen das viele Musikredakteure nicht wahr. Ganz im Gegensatz zu dem einen oder anderen Fernsehsender. So hat meines Erachtens der MDR ganz klar erkannt, dass unser Publikum eine dankbare Zielgruppe ist. Und die Quoten sprechen für sich!

Ireen Sheer

Quelle: Der Musikmarkt, Joachim Hendel

 

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Kommentare:

20.08.2007 14:56:02

ANDREA BERG & CO
Mit Freude habe ich die Meinungen
von Ireen Sheer usw. gelesen.
Ich gehöre seid ich denken kann,
zu den treuen Schlager Fans.
Durch meine Zeit, als Redakteur bei BRAVO habe ich viele der großen und kleinen Schlagerstars
persönlich kennen gelernt:
www.roy-black.net ( Link:BRAVO-
Legenden/Gedenken).
Es ist daher schon sehr verwunderlich, daß man bei den meisten Radio Sendern der Meinung ist, daß diese Musik nicht
mehr in das Sende Konzept passen würde. Da sitzen nun Musik-Redakteure und entscheiden,daß nur noch englische Musik gespielt werden darf.
Ich wundere mich aber auch! Daß
die TV-Sendungen" NDR Schlagernacht "oder: "Festival des deutschen Schlagers", bei den Fans
ankommt, ja sie geraden direkt aus dem Häuschen, wenn ihre Lieblinge von einst und heute zum
Anfassen ganz nah sind, denn eins ist mir in all den Jahren klar geworden, diese Künstler dazu gehören heute auch die Volkstümlichen Schlagerstars,
sind für ihre Fans da und geben nach anstrengenden Konzerten noch geduldig Autogramme.
So mancher internationaler Künstler nimmt seine Fans nicht ernst, und wundert sich dann, wenn
seine CD's und DVD's wie blei in
Fachhandel liegen bleiben.Ein Dankeschön an dieser Stelle an die
Musikredaktion von "Immer wieder
Sonntags- endlich eine Sendung,
die einem den Sonntag egal bei welchen Wetter einfach große Freude bereitet.


Fritz Tillack
BRAVO Fritze

geschrieben von: Fritz Tillack
 

02.08.2007 13:36:23

Moralischer Betrug an die Radiohörer
Es ist eine Sauerei, was die Radiosender mit den Fans und Hörern von Schlagern und Volksmusik machen. In meine Augen ist das moralischer Betrug, leider kein Betrug im strafrechtlichen Sinn. Da ja schon mehrere Strafanzeigen gegen Sender von der Staatsanwaltschaft abgeschmettert wurden. Da ist jetzt die Politik gefragt. Deshalb empfehl ich jedem sich bei den Petiotionsausschüssen der jeweiligen Landtagen zu beschweren. Zusätzlich noch beim Petitionsausschuß des Bundestages. Ich werde das nach der politischen Sommerpause machen. Denn wir Fans sind auch Wähler. Einfach bei allen Instanzen, wo es möglich ist, beschweren. Eine Demonstration wäre da auch nicht schlecht.

geschrieben von: H. P . Sperber
 

 

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