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08.01.2010 - 00:00:00

MATTHIAS GEHLER
(Programmchef MDR 1 Radio Thüringen)
Ist ER - der Ex-Pfarrer und ehemalige DDR-Regierungssprecher - der neue Totengräber des Schlagers?

Herr Gehler hat nämlich die Weisung ausgegeben, dass ab sofort keine aktuellen Schlagertitel mehr im Programm von MDR 1 Radio Thüringen laufen dürfen...! Frei nach einem neuen Titel von Gaby Baginsky sagen wir: "Fahr zur Hölle (komm' nie wieder zurück)'"! Frei nach Leonard: "Geh mit Gott, aber geh":

Es wird wahrlich immer besser, was man sich von den öffentlich-rechtlichen Sendern so alles gefallen lassen muss. Aber was zum Jahresanfang 2010 bei MDR 1 Radio Thüringen passiert ist, das schlägt dem Faß nun wirklich buchstäblich die Krone aus.

Ein gewisser MATTHIAS GEHLER, seines Zeichens Programmchef des Senders, hat nämlich die Weisung ausgegeben, dass ab sofort im Tagesprogramm keine aktuelle Schlager gespielt werden dürfen. Also auch KEINE NEUEN Titel von Andrea Berg, Helene Fischer, Christian Lais und so weiter und so fort. Stattdessen werden nur noch Oldies - übrigens vorwiegend englischsprachiger Art - gespielt. Wenn Schlager, dann nur die großen Hits der 60er, 70er, 80er und - vielleicht auch - der 90er. Kurzum: die gleiche Gülle, mit der man mittlerweile von nahezu allen anderen Sendern überschüttet wird.

Somit bricht für den gesamtdeutschen Schlagermarkt ein weiteres ganz, ganz wichtiges Podium nicht nur ein, sondern...: vollständig weg!!! Über die Tragweite dieser "Entscheidung", der sich zudem über kurz oder lang möglicherweise weitere Sender anschließen werden (á la "Wir sind ja sooo hip...!), ist man sich in der Branche ganz offensichtlich noch überhaupt nicht bewusst.

Wer ist denn nun eigentlich dieser Matthias Gehler? Laut Wikipedia wurde der "deutsche Journalist" am 4. August 1954 in Crimmitschau geboren. Der ehemalige Pfarrer und Liedermacher war Regierungssprecher im letzten Kabinett der DDR-Regierung unter Lothar de Maizière. Apropos DDR: Erinnern Sie eigentlich noch den Schlagertitel "Hasi (Du warst doch lange bei der Stasi)"...? Der fällt uns nämlich - zufälligerweise - gerade wieder ein... (wobei hier natürlich der alte Leitsatz "Nichts Genaues weiß man nicht..." gilt...!)

Seit 1992 ist der gute Mann Programmchef von MDR 1 Radio Thüringen. Gehler soll bereits unmittelbar nach Amtsantritt durch seine Profilneurose aufgefallen sein. So habe der "stellvertretende Direktor des Landesfunkhauses Thüringen" die Hörer bis zu fünfmal täglich mit Selbstgedichtetem und -komponierten traktiert, wie "Der Spiegel" am 27.01.1992 zu berichten wusste.

Kleine Kostprobe gefällig? "Mit bei der Busfahrt/ Mit in der Bahn/ Wir sind Dein Radio/ Komm schalt uns an . . ./ Mitten im Fahren/ Mitten im Stau/ durch uns informiert immer genau . . ./ Mitten im Landtag/ Plaudern wir aus/ Was noch geheim ist/ Kriegen wir raus." Zu Zeiten, als er selbst noch Konzerte gab ("immer haarscharf am Auftrittsverbot entlang", wie er stolz gegenüber Medienvertretern zu Protokoll gab), habe er natürlich anspruchsvollere Sachen gemacht...

Gehler plusterte sich in der Vergangenheit auch  nur zu gerne gegenüber der Musikindustrie auf. Viele CDs seien schlecht abgemischt, das könne man nicht über den Sender gehen lassen. Und überhaupt sei es "beklagenswert", dass für die Musikindustrie das Internet immer wichtiger werde. (Allein schon diese Aussage belegt doch ganz eindeutig, dass wir es hier mit einem Ewig-Gestrigen zu tun haben, der die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat, nicht erkennen will oder gar nicht erkennen kann...)

Und bauernschlau ist er auch noch: "Viele Schwierigkeiten von heute sind nicht nur der Einheit zuzuschreiben, sondern auch unserer gesamtdeutschen Unflexibilität", befand er unlängst in einem Interview (Quelle: "FAZ" vom 04.10.2004).

Gerade jetzt, wo der Schlager endlich wieder neue Gesichter hervorbringt und erfolgreich er etablieren vermag, versetzt ausgerechnet MDR 1 Radio Thürungen dem aktuellen Tages-Schlager den Todesstoß. Verstehe das, wer will. Erst recht vor dem Hintergrund, dass Künstler wie Roland Kaiser, (Matthias) Reim gerade im Osten mittlerweile als echte Volkshelden durchgehen. Der enorme Zulauf auf nahezu alle "Großen Schlager-Starparaden" in den Neuen Bundesländern beweist doch ganz klar und deutlich, welche Musik die Mehrzahl der Hörer(innen) von MDR 1 Radio Thüringen konsumieren möchte. Aber nein: Man will sich unbedingt auf Kosten der Quote profilieren. Um sich möglicherweise bald den Posten des Intendanten unter den Nagel reißen zu können, was wohl das unbedingte Bestreben dieser Person ist. Und da die nächste Marktanalyse ohnehin erst in einem Jahr veröffentlicht wird, dann der werte Herr - zumindest für die nächsten zwölf Monate - jetzt erst einmal schalten und walten, wie er will... Bis dahin könnte das Schlager-Genre im Rundfunk dann bereits gänzlich ausgestorben sein. Missbraucht hier einer also möglicherweise seine Position, um seine Profilneurose auf Kosten seiner Hörerschaft zu befriedigen?!! Denn die Hörerinnen und Hörer von MDR 1 Radio Thüringen fühlten sich bislang eigentlich sehr gut von ihrem Sender bedient...

Ohnehin grenzt es geradezu an Perversion, dass die maximal erreichbare "Schlagzahl" (oder Umdrehungszahl) für aktuelle Schlagertitel bei ca. 100 Einsätzen in der Woche liegt, während im Pop-Bereich (Beispiel Ich+Ich) ganz locker-lässig bis zu 1.300 Radioeinsätze in einer Woche möglich sind. Und dabei weiß man doch längst, dass speziell eine Andrea Berg nicht nur die Schlagerfans bedient. Wie kann es angehen, dass für die in Deutschland erfolgreichste Sängerin des Jahrzehnts bei ca. 100 Einsätzen in der Woche Endstation ist?

Was aber noch viel, viel pikanter ist: Im Grunde genommen erfüllen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkstationen doch längst ihren eigentlich Auftrag, alle Genres zu bedienen (und das Schlagersegment ist ohne jeden Zweifel ein ganz, ganz wichtiges!) nicht mehr, was jetzt möglicherweise einmal von einem Gericht zu klären wäre. Ist die GEZ als solche überhaupt noch tragbar, wenn systematisch eine ganze Musikrichtung ausgeschaltet, ja, "ausgelöscht" wird?

Die Situation ist umso prikärer, als dass "die da Oben" derzeit gerade wieder eine Gebührenerhöhung diskutieren. Getreu dem Motto "Wir brauchen mehr Geld - aber Euren ganzen Schlagerscheiß, den brauchen wir nun wirklich nicht!". Zieht man hierzu noch mit in Betracht, wie extrem negativ die GEZ bei ihrer Kundschaft 'rüberkommt, fragt man sich so langsam, warum man den Schlagerfans nicht vielleicht einmal raten sollte, ihr Radio/"ihre GEZ" einfach abzumelden.

Diesem erschütternden Trend gilt es, unbedingt entschieden entgegen zu treten. Diese wettbewerbseinschränkende Diskriminierung ist so beim besten Willen nicht mehr hinnehmbar!!! Denn ohne jeden Zweifel gibt es - auch und gerade! "im Schlager" - eine ganze Reihe wirklich hervorragender Produktionen. Viele tolle neue Künstlerpersönlichkeiten - wie beispielsweise Gerrit Winter - haben in den letzten Wochen und Monaten das Licht der Welt erblickt. (Mehr oder weniger mit Unterstützung der Radiostationen.)

Der Herrgott möge es uns verzeihen, wenn wir diesem Programmchef die Zeilen eines brandneuen Titels von Gaby Baginsky, der Mitte Februar 2010 auf deren neuen Album "Ich will kein Engel sein" enthalten sein wird: "Fahr' zur Hölle (komm' nie wieder zurück)". (Übrigens: Ebenfalls sehr gut passen würde der Leonard-Titel "Geh mit Gott, aber geh'"...)

MDR 1 Radio Thüringen war nach einer Medianalyse MA 2008 Radio I Marktführer im Sendegebiet und hat sich an die Spitze der Thüringer Radiolandschaft gesetzt. Von 06.00 Uhr bis 18.00 Uhr hören durchschnittlich 190.000 Erwachsene ab 14 Jahren ihren Sender (Nettoreichweite, Montag - Samstag, bundesweit).



Foto-Credit: MDR

Quelle: Andy Tichler, Chefredakteur www.smago.net

 

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Kommentare:

16.01.2010 21:41:48

Matthias Gehler
Finde es eine grenzenlose Sauerei, was dieser Herr Gehler abzieht. Die Diskriminierung ist keinesfalls hinnehmbar. Habe heute beim Rundfunkrat des MDR Programmbeschwerde wegen Diskriminierung unzähliger Gebührenzahler eingelegt und Ihren Artikel für die Rundfunkräte beigefügt. Es ist dringendst erforderlich, dass wir uns in geballter Form mit Programmbeschwerden an den Rundfunrat des MDR wenden. Die Programmbeschwerden gehen am schnellsten per E-Mail an: rundfunkrat@mdr.de. Nur so können wir gemeinsam etwas erreichen.

Liebe Grüße

Heiko Sander

geschrieben von: Heiko Sander
 

15.01.2010 19:29:47

Was soll das?
Auch ich habe den Bericht hier gelesen und bin total sauer.
MDR1Thüringen ist und war der Marktführer, warum also das Konzept verändern!
Der Deutsche Schlager im neuen Sound kommt bei Jung und Alt richtig gut an, warum dann nur noch die alten Songs !
Ich bin auch ein Newcomer und ohne die Industrie werden Künstler wie ich es bin, doch gar nicht zur Kenntniss genommen!
MFG Sascha Valentino

geschrieben von: sascha Valentino
 

09.01.2010 15:20:51

Wo sind denn nun
Keinesfalls sollten sich die Künstler an Aktionen gegen diesen Artikel beteiligen, eine Petition der normalen User, mit Hand und Fuß, ja, das bringt was!

Aber wie gesagt, no Künstler, no Manager....................

Dann wär`s noch schlechter um die wirklichen, darstellenden und in der Öffentlichkeit, den öffentlichen Rundfunkanstalten, den Fernsehanstalten, bekannten Kampfmaschinen des deutschen Schlagers gestellt!

Also Ihr "NORMALEN USER" und "BEFÜRWORTER DES DEUTSCHEN SCHLAGERS, EURES STAR`S" wo seid Ihr?

Redet nicht nur, schimpft nicht nur, zeigt was in Euch steckt!

geschrieben von: P. Schoepe für Radio B.H.R. e.V.
 

09.01.2010 15:14:43

Matthias Gehler
man sollte mal überprüfen, ob er an einem Privatradiosender beteiligt ist. Denn dann könnte man verstehen, dass er die Musikhörer des MDR vergraulen will.

geschrieben von: Frieder Friedrich
 

08.01.2010 18:34:41

Matthias Gehler
Ich frag mich doch schon lange wofür ich überhaupt Rundfunkgebühren zahle. Radio anschalten??? Lohnt doch gar nicht mehr. Die alte Grütze will doch keiner mehr hören. Ich greife da doch lieber auf die gute CD oder MP3 zurück und mach mir mein Programm selber!
Das macht wenigstens schon gute Laune am Morgen! Und dann gibt es ja auch noch die vielen vielen Internetradiosender. Immer wieder verspotet, aber doch haben sie einen regen Zuwachs an Hörern und es werden noch mehr werden. Dort wird Schlager gespielt und das immer aktuell! Vielleicht sollten die lieber die Gebühren kassieren und die öffentlich rechtlichen Sender abschalten ;-)

Wieder mal eine Entscheidung am Geschmack der Hörer vorbei!

geschrieben von: Nicole Ossadnik
 

08.01.2010 16:01:25

Verrat beim MDR
Vielleicht sollten wir diesen Herrn Pfarrer mal frei nach einem Frank Schöbel - Titel beweisen : "Die deutschen Fans sind eine Macht" und sollten seine Amts - Enthebung beantragen oder an die Werbe - Industrie schreiben.

So nach dem Motto :
"was nützt ihre Werbung beim MDR --- wenn niemand diese hört" ! ! !

Zeigen wir den Leuten doch einmal wozu das Internet gut ist rufen wir über unsere Homepage - Seiten, auch bei MySpace, FaceBook, Twitter, etc.
die Hörer vom MDR zum Boykott des Senders auf verbunden mit der gleichzeitigen Forderung der Entlassung des Programm - Chefs.

Ich wünschen allen Lesern noch ein frohes neues Jahr.

geschrieben von: Manfred Robert
 

08.01.2010 09:55:08

Verrat bei MDR 1 Radio Thüringen
Das wundert mich nicht. Da ja viele andere Sender wie Bayern 1 das schon länger praktizieren.

Ich empfehle alle Thüringer sich beim Geschäftgsfüher des Senders, bei ihrem zuständigen Landtagsabgeordneten, der regierenden Parteifrakton im Landtag und beim Ministerpräsidenten zu beschweren. Eine Abmeldung des Radios sollte da auch angedroht werden.

Es kann sich aber auch jeder andere Schlagerfreund beschweren. Ich werde das als Berliner auch tun. Wir in Berlin haben nour noch Popsender, keine Schlagersender mehr im öffentlich-rechtlichen Bereich.

Vielleicht kann diesen Herren jemand Stasi-Verstrickung nachweisen?


Schöne Schlagergrüße

H. P. Sperber




geschrieben von: Hans Peter Sperber
 

08.01.2010 09:36:28

Schlager & Co. für immer Ade?
Hallo,

auch NDR-1 Radio MV ereilte bereits 2000 die gleiche Programmstruktur. Von heute auf morgen wollten angeblich die Hörer keine Schlager und keine volkstümlichen Titel mehr hören, so ein Schwachsinn.
Auch bei diesem Sender werden bis heute überwiegend Oldies der 70er - 90er gespielt. Die Volkstümliche Musik ist völlig verbannt und einen deutsprachigen Schlager hört man wohl nur noch zwei bis vier in in einer Stunde. Wir haben seinerzeit Unterschriften dagegen gesammelt, sind vors Funkhaus gezogen, in die Öffentlichkeit gegangen. Hörerbriefe landeten bei den Regionalzeitungen. ich hatte mich auch an den damaligen Ministerpräsidenten von MV Harald Ringstorff gewandt. Es hat alles nichts gebracht. Letztendlich wünschte man von Seiten des Senders keinen Kontakt mehr mit mir. ich habe die Schreiben und Antworten alle noch aufgehoben. Das einzige Bundesland in dem es so etwas wohl nie geben wird ist Bayern, denn die werden sich ihre Traditionen und ihren Gaudi zu den Oktoberfesten garantiert nicht nehmen lassen. Ich glaube dann gibt es zumindest dort einen Volksaufstand.
Armes Deutschland - in dem man nicht mehr deutsch singen darf. Wir lassen uns das Singen nicht verbieten, oder etwa doch... anscheinend ist es so.

geschrieben von: Schlagerfan
 

 

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