03.03.2007 - 00:00:00
MARK BENDER
Die CD "Ein Haus am Meer" im Test von Holger Stürenburg!
Als der Verfasser dieser Zeilen vor kurzem den Auftrag erhielt, sich journalistisch intensiv mit "Ein Haus am Meer", der aktuellen CD-Produktion von MARK BENDER, auseinanderzusetzen, standen ihm zunächst viele Fragezeichen im Gesicht geschrieben – wer um alles in der Welt ist Mark Bender? Nie gehört... Der Rezensent schob den Tonträger eines schönen Morgens in seinen CD-Spieler, lauschte den ersten Takten des fetzigen Deutschrockers "Sternschnuppe" (mit der so vielsagenden Textzeile – "Du bist mein Stern / Ich bin Dir schnuppe"...) – und war sogleich hellauf begeistert!
Mark Bender, ein 47jähriger, einstiger Vertriebsleiter für biologische Arzneimittel aus Neumarkt in der Oberpfalz, überzeugt auf "Ein Haus am Meer" (AGR/Universal) rund 53 Minuten lang mit einer perfekten (herrlich (!!!) anachronistischen) Mixtur aus deftigem, gitarrenlastigen Deutschrock der frühen 80er Jahre, traditionellem Countrysound deutscher Machart, durchwegs gefälligen Popmelodien und staubtrockenem, uramerikanischen Rhythm’n’Blues.
Umgehend fühlte sich der Rezensent an das Jahr 1979 erinnert, als Peter Maffay kein reiner Schlagersänger mehr sein wollte, aber noch längst nicht auf einer Augenhöhe mit Udo Lindenberg, BAP oder Marius Müller-Westernhagen angekommen war. "Steppenwolf" hieß damals diejenige LP, mit der sich der heutige Megastar, langsam, aber sicher, in rockigere, drallere Gefilde vorarbeitete. Diese lange vorbereitete, stilistische Neuorientierung Maffays verlieh "Steppenwolf" daher auch ein besonderes, unkopierbares Flair des kreativen Auf- und Ausbruchs.
Diese knisternde Atmosphäre beherrscht – 28 Years later – vorliegende CD von Mark Bender nahezu vollständig. Musikalisch nahe bei Maffay, Springsteen, Mark Knopfler ("Dire Straits") und eine Prise Dylan lassen ebenfalls grüßen, zeigen sich die 13 (plus zwei englischgesungenen Bonustracks) Lieder in lyrischer Hinsicht originär, echt, ehrlich, ‚aus dem Leben gegriffen’. Der oberpfälzische Familienvater sieht sich selbst in der Tradition sogenannter "Storyteller", einer aus der US-amerikanischen Folk- und Countryszene stammenden Spezies, der es stets wichtig war und ist, in einem Lied von Drei-, Dreieinhalbminuten, mittels einfacher, für alle nachvollziehbarer Worte fesselnde Novellen zu erzählen. Dieses Vorhaben gelingt Mark Bender auf "Ein Haus am Meer" ein ums andere Mal in bester Form.
Rockig, treibend, berichtet Bender über die oberflächlich-hedonistische "Sternschnuppe". Zu klassisch britischen Popklängen a’la "Smokie" hören wir die Geschichte einer radikalen "Beatles"-Anhängerin, die sich bis heute, fast ein halbes Jahrhundert später, immer wieder an "Die erste Nacht in Liverpool" (Liedtitel) erinnert.
Die traumhaft melancholische Bluesballade "Ins Herz geschnitzt" resümiert über eine längst vergangene Jugendliebe. Als die "Tattoos eines Lebens" (Liedtitel) gelten genau jene Sternstunden früherer Jahre, die man Zeit seines Daseins niemals vergessen kann und möchte.
Der Titelsong des so grazilen, wie kraftvollen Albums, "Ein Haus am Meer", stellt eine nur unterschwellig rockende, durchgehend ohrwurmträchtige Träumerei dar, nachdenklich-philosophisch wird’s dagegen im lockeren Gitarrenpopper "Auch, wenn Du es nicht siehst". Erneut latent Maffay’esk, gedenkt Mark Bender in einem rasanten Bluesrocker der schrillen, dauertanzenden "Linedance-Lady" aus Westberlin; nicht mehr und nicht weniger, als eine gemächliche, eindringliche, unverschnörkelte Countryballade, ist das gefühlvolle Liebeslied "Mein Licht in grauen Stunden": Etwas zu schnulzig jedoch kommt wiegend-balladesk der "Golden Cowboy" daher, textlich zu banal, Wolfgang-Petry-orientiert ertönt der (zu) luftige Popschlager "Wir haben es uns verdient". Als Bonustracks fungieren die filigranen, nahezu akustisch arrangierten Johnny-Cash-Balladen "Meet me in Heaven" sowie "Rose of my Heart".
Mark Bender, aufgrund seiner Körpergröße von seinen Fans gerne als der "Sanfte Riese” apostrophiert, hat für "Ein Haus am Meer” wahrlich alle Register gezogen. Gemeinsam mit seinem Kumpel Pete Winter, verfaßte er 13 propere Pop/Rock-Kleinode höchster Qualität.
Der gelernte Einzelhandelskaufmann, der seit 1994 ausnahmslos als Berufsmusiker tätig ist, bereits eine Vielzahl von Preisen und Auszeichnungen erhalten hat und, zudem des öfteren für prominente Kollegen, wie z.B. Roland Kaiser, Ireen Sheer, Karel Gott oder die "Klostertaler", zur Feder greift, legt mit "Ein Haus am Meer" ein unverblümtes, so originales, wie originelles Meisterwerk klassischer deutscher Rock- und Popmusik vor, das sich aber vermutlich für die heutige Formatradiolandschaft allzu sehr zwischen alle Stühle setzt. Vor 25 Jahren, hätte Mark Bender mit Klaus Lage, Wolf Maahn oder Herbert Grönemeyer um einen festen Platz auf dem Deutschrock-Olymp gekämpft – und garantiert einen guten Platz gewonnen!
Gesamtnote: 1
Quelle: Holger Stürenburg, 28.Februar/01. März 2007
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