26.06.2008 - 00:00:00
KRISTINA BACH
Die Doppel-CD "Best Of - Dance Remix" im Test von Holger Stürenburg!
Vor 25 Jahren veröffentlichte ein schüchternes, aber äußerst charmantes Nachwuchstalent namens KRISTINA BACH unter der Ägide des Produzenten Howard o’Melley ihre eher balladesk-melancholische Debütsingle "Donna Maria". Im Herbst des darauffolgenden Jahres feierte die blonde Schönheit mit einer düster-synthesizerlastigen Auslegung des "Mina"- Klassikers "Heißer Sand" einen ersten Radiohit und gab damit gleichfalls ihren Einstand in der legendären "ZDF-Hitparade" des Dieter Thomas Heck – und Ende der 80er, als sich Produzentengenie Jean Frankfurter der heutzutage in der Schweiz residierenden Künstlerin annahm, ging es so richtig los: Bis heute folgten zig keß-freche, nicht selten mit einer guten Portion Selbstironie ausgestattete Hits in Rundfunk-, wie Verkaufscharts, so daß Kristina 2008 in bester Manier ihr 25jähriges Bühnenjubiläum feiern kann.
Aus diesem Anlaß, forderte sie vor kurzem ihre Tausenden Fans auf, ihr via Internet (ergo, über ihre Homepage www.kristinabach.de) Empfehlungen für ein aktuelles Best-of-Album zu nennen bzw. darüber abzustimmen, welche ihrer Titel sie dafür nutzen solle. Dies verwunderte den Rezensenten einigermaßen; hatte es doch erst 2005 eine ultimative Hitkollektion der sympathischen Schlagerlady, die gebürtig aus dem nordrhein-westfälischen Mettmann stammt, unter dem Motto "Alles von mir" gegeben, die sich derzeit übrigens ganz radikal in Richtung Gold-Status bewegt.
Doch die hochtalentierte Vollblutmusikerin Kristina hatte sich zu ihrem 25jährigen Bühnenjubiläum etwas ganz besonderes einfallen lassen. Eine schlichte, erneute Verkoppelung ihrer größten Hits sollte ihre brandneue Veröffentlichung, die am 27. Juni 2008 das Licht des Musikmarktes erblickt, keinesfalls werden.
Stattdessen ließ sie sich die Aufnahmen bzw. Playbacks früherer Tage vorlegen, zusätzlich – Andrea-Berg-Mentor Eugen Römer gab ihr hierzu den Tip – ihre Original-Gesangsspuren, und führte, in Zusammenarbeit mit Jean Frankfurter, Andreas Bärtels, Frank Kretschmer, Thomy Mustac und Thomas Remm – fraglos in ihrer Gesamtheit große Namen der einheimischen Musikbranche –, Neuabmischungen genau jener ihrer Hits und Geheimtips durch, die ihr ihre Anhänger per Internet vorgeschlagen hatten.
Als der Rezensent von jenem Projekt, das nun in Bälde als knapp 110minütige Doppel-CD unter dem Namen "Best of – Dance Remix – Zeitreise der Emotionen" bei Ariola/SONY-BMG veröffentlicht wird, erfuhr, stockte er ein zweites Mal: Neueinspielungen, moderne Remixe alteingesessener Schlagerklassiker KÖNNEN durchaus sehr gelungen ausfallen, MÜSSEN es aber nicht. Es gibt soundsoviele Beispiele, die belegen, daß eine neuzeitliche Bearbeitung eines Evergreens aus den 80er oder 90er Jahren dem Original unendlich viel Charme, Flair und Ausdruckskraft raubt – oder gar diese Faktoren mittels einer entsprechenden Vorgehensweise letztlich unwiderruflich zerstört.
Doch, keine Sorge!!! – Kristinas "Dance Remix" ihrer schönsten und angesagtesten Lieder beweist, daß man allseits Bekanntes und Beliebtes auch mit viel Liebe zum Detail modernisieren, mit feschen, tanzbaren Rhythmen unterlegen kann, so daß die Aura des Originals einerseits gänzlich erhalten bleibt, andererseits aber – ausschließlich – sympathische, liebenswerte "neue" Elemente der jeweiligen Urfassung hinzugefügt werden, um den hierfür vorgesehenen Ewigkeitshit in so ansprechendem, wie klanglich frischen Ambiente erstrahlen zu lassen.
So hören wir auf vorliegender Doppel-CD freche, aufmunternde Remixes von Kristinas Früh-90er-Gassenhauern der Sorte "Erst ein Cappuccino" (1990), "Antonio" (1991), "Caballero, Caballero" (1992), "Er schenkte mit dein Eiffelturm" (1993), "Tango mit Fernando", "Avanti, Avanti" (beide 1994). Aus der zweiten Hälfte jener musikalisch ansonsten ja nicht unbedingt soooo interessanten Dekade, kommen plietsche Neufassungen von z.B. "Es kribbelt und es prickelt" (1998) oder Kristinas liebevoll-zickige, muttersprachliche Sichtweise des 1979er-Discoreißers des holländischen Mädchentrios "LUV", "You’re The Greatest Lover", von Andreas Bärtels betextet als "Hey, ich such’ hier nicht den größten Lover" (1999), zum Zuge.
Jüngeren Datums sind Superohrwürmer a la "Rio de Janeiro" (2000), "Wahre Lügen" (2002), "Fliegst Du mit mir zu den Sternen" (2003) oder "Warum geh’n, wenn man fliegen kann?" (2006). Augenzwinkernd-selbstironisch zeigt sich die selbsternannte "Chaoskönigin" Kristina in "Du bist verrückt, daß Du mich liebst" (2004) oder der rasanten Nachtleben-Elegie "Luder" (2001). Und auch die ganz schön aufmüpfige Ode auf den verlogenen, selbstverliebten Möbeldesigner "Jimmy" ("Jimmy, ich hab Dich geliebt") darf ebenso wenig fehlen, wie ein vorzüglicher Remix von Kristinas Dance-Medley, bestehend aus den beliebtesten Melodien des gefeierten Andrew-Lloyd-Webber-Musicals "Phantom of the Opera", dessen Urfassung seiner Interpretin 1993 einen wochenlangen Aufenthalt in den Top 20 der US-Billboard-Dance-Charts bescherte.
Aus der Abteilung ‚Fanfavoriten und Spezialistentips’ fanden z.B. das urbane Nightlife-Drama "Stimmen der Nacht", das produktionstechnisch eindeutig an die 80er-Discohits von Sandra ("Maria Magdalena", "In the Heat of the Night") gemahnt, oder die feurig-erotisch-laszive Ode auf "Mr. Big" (2004) Platz auf "Best of – Dance Remix" – wobei es sich bei letztgenanntem Titel NICHT um eine Hymnisierung der (ziemlich scheußlichen... der Verf.) gleichnamigen US-Hardrock-Band handelt, die im Herbst 1992 mit der nümpernen Banal-Ballade "To be with you" die Middle-of-the-Road-Radiostationen dieses unseren Landes fast stündlich zumüllte, sondern vielmehr um eine ironische Liebeserklärung an einen Traummann, an den keine Frau so recht herankommt.
Aus Kristinas grandioser letzter Studioproduktion, dem prickelnden Winteralbum "Sterne leuchten auch im Winter" (Herbst 2007), wurde die wundervoll atmosphärische Liebesballade "Winter in Venedig" Platz für "Best of – Dance Remix" ausgesucht. Ob es allerdings unbedingt vonnöten war, diesen traumhaften, an sich ja eher gemächlich-hochemotionalen Popschlager mit discothekentauglicher Rhythmisierung zu versehen, bleibt fraglich – das Original ist derart genial, authentisch und überzeugend arrangiert, so daß es es eigentlich nicht verdient hat, von einer grazilen Romantikballade zu einem knalligen Tanzflächenfüller umgestaltet zu werden.
Selbstverständlich hat Frau Bach für ihre Freunde und Anhänger auch drei brandneue, bislang unveröffentlichte Titel im Gepäck: Dabei handelt es sich um die eher konventionell ausgerichtete Up-Tempo-Nummer "Schläft Dein Herz noch bei mir?", von Kristina selbst komponiert und betextet, den temporeichen Discohammer "99.9 Prozent Sommer" und die aktuelle Radiosingle "Küß mich, Küß mich", die dieser Tage in Deutschlands Rundfunklandschaft alle Rekorde zu brechen scheint.
"Küß mich, Küß mich" stellt nicht mehr und nicht weniger dar, als eine fetzige, mehr als nur eingängige Melodie voller Power und Esprit, die gerade deshalb, weil sie die wichtigsten Elemente des teutonischen Popschlagers der 70er, 80er und 90er Jahre, geballt komprimiert, schiere Zeitlosigkeit in sich trägt: Ein wahrhaft "perfekter Popsong", ohrwurmträchtig, tanzbar, gefühlvoll – zweifellos einer der prägnantesten Titel, die Kristina in den letzten Jahren vorgelegt hat (und der, ob eben jener Zeitlosigkeit, bestimmt noch in zehn, 20 Jahren dieselbe Echtheit und Originalität ausstrahlen dürfte, wie 2008!)
Der Verfasser dieser Zeilen ist sicherlich alles andere als ein Prophet. Dennoch bin ich konsequent davon überzeugt, daß "Best of – Dance Remix" in den nächsten Wochen diverse Sommerabend-Partys klanglich untermalen wird. Kristina und ihr Team haben es vermocht, allseits bekannte und beliebte Schlagerperlen hinsichtlich Rhythmus und Arrangement gehörig aufzupeppen, ohne, daß diese Modernisierungen in irgendeiner Form nervtötend, unpassend oder allzu kommerziell wirken. Im Pressetext zu dieser überaus hochqualitativen Doppel-CD heißt es, sie sei "für heiße Partys in lauen Sommernächten" (Zitat) mehr als nur geeignet. Dem ist letztlich nichts hinzuzufügen!
Schlußendlich: Wer von Kristina Bach zu ihrem 25jährigen Bühnenjubiläum nicht genug bekommen kann, dem sei verraten, daß SONY-BMG vor wenigen Wochen, zusätzlich zu Kristinas aktueller, hier vorgestellter Doppel-CD, ihre langgesuchten Alben "Scharf aufs Leben" (2001) und "Es kribbelt und es prickelt" (1997) im Rahmen ihrer enorm kostengünstigen "X2"-Aktion in Form einer fundamentalen Zwei-CD-Kollektion im "Slidepack", zum Preis von kaum 15 Euro, neuaufgelegt hat – und wer endlich mal wieder Kristinas allererste Single "Donna Maria" in der ORIGINALFASSUNG auf CD hören mag, dem sei die von mir (in Zusammenarbeit mit vielen Freunden und Kollegen) zusammengestellte Fünf-CD-Box "Zeitgeist – 1980 bis 1984" zu empfehlen, für die mir Kristina netterweise eben jene, eingangs erwähnte Debütsingle ihrer ohne weitere Schwierigkeiten sogleich zur Verfügung stellte.
Gesamtnote: 1
Quelle: Holger Stürenburg, 18./19. Juni 2008
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