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01.06.2008 - 00:00:00

KLAUS HOFFMANN
Die CD "Spirit" im Test von Holger Stürenburg!

Das Album hatte es sofort nach Veröffentlichung auf Platz 29 der deutschen Album-Charts geschafft!

In den letzten Jahren hatte sich der Urberliner Chansonnier KLAUS HOFFMANN in erster Linie auf seine große, geradezu lebenslange Leidenschaft, die feurig-geniale Interpretation der bekanntesten und imposantesten Werke seines unverbrüchlichen Vorbilds Jacques Brel, mit von Hoffmann selbst eingedeutschter Lyrik, versteht sich, konzentriert: Ein phänomenaler Songzyklus, ein perfektes Konzertprogramm, das Ende 2006 in der Veröffentlichung der schier grandiosen Live-Doppel-CD "Wenn uns nur die Liebe bleibt" gipfelte.

2008 ist nun wieder Zeit für eigenes Material. Nur wenige Wochen nach seinem 57. Geburtstag, legte Klaus Hoffmann dieser Tage seine aktuelle Produktion "Spirit" (Stille-Musik/INDIGO) vor, wiederum ein klangliches Meisterwerk per Excellanze; 16 brandneue Kleinode voller Gefühl und Authentizität, vom Interpreten eigenständig verfaßt (ab und an unter Einbeziehung seines musikalischen Leiters, Arrangeurs und Pianisten Hawo Bleich), selbst produziert – und mit derselben Intensität und Inbrunst eingesungen, wie es der sympathische Vollblutmusiker inzwischen seit 1974 – damals erschien seine allererste LP – durchgehend, ausnahmslos und ohne jegliche Abstriche vollbringt.

Mehr als 360 Lieder auf knapp 40 Alben hat Klaus Hoffmann inzwischen veröffentlicht, fast jährlich begab er sich zudem auf umjubelte Konzertreisen – nahezu jeder dieser folgte stehenden Fußes ein prickelnder Mitschnitt auf LP, CD oder DVD - denn gerade im Liverahmen überzeugt der einstige Schauspieler am Hamburger "Thalia-Theater" stets in ganz besonderem Ausmaß.

"Spirit" ist, wie es nicht anders zu erwarten war, ein klassisches Klaus-Hoffmann-Album auf gewohnt hohem Niveau geworden – wobei das Multitalent aus der einstigen Mauerstadt diesmal mehr denn je auf Swing- und Jazzelemente setzt. Bestes Beispiel: der dralle, wippende Titelsong – eine so originelle, wie sehnsüchtige und gleichsam mondäne Mid-Tempo-Nummer, in monumentaler Big-Band-Verkleidung inszeniert (was den Rezensenten sogleich dazu anregt, die Frage aufzuwerfen, ob es nicht eine nicht zu verachtende Idee wäre, wenn Klaus Hoffmann seine beliebtesten Titel eines Tages im fetten Jazz-Arrangement darbieten würde...) – auch "Verpackt in kleinen Säcken", eine liebenswerte Geschichte über längst vergangene, vielleicht unerfüllbare Träume, geizt nicht mit Fragmenten aus Jazz und Swing. Im Refrain sacht swingend, zeigt sich gleichsam das darüber hinaus überwiegend akkordeonbetonte, trotzdem still-gemächliche Chanson "Jenseits der Angst". Coole südamerikanische Rhythmen, von Hoffmann seit Jahrzehnten ein ums andere Mal gerne eingesetzt, kennzeichnen hingegen die philosophisch-bitterböse Stellungnahme "Einer gibt’s dem andern".

Ungeheuer textlastig, dabei musikalisch äußerst sparsam untermalt, zeigt sich das offensive, aufmunternde, - im wahrsten Sinne des Wortes: frühlingsfrische – Couplet "Frühling" – in nur 1:53 Minuten bringt Klaus Hoffmann alles das detailliert auf den Punkt, was ebenjene Jahreszeit ausmacht. Nicht weniger wortreich ausformuliert, dringt das atmosphärische Liebesgeständnis "Geh mit mir" aus den Boxen.

Nachdenklich, balladesk, in gewisser Weise dramatisch, fast klassisch, wird es im abgeklärten "Ich hab es weggeträumt"; das Piano bestimmt "Etwas", filigran eingesetzte Konzertgitarren dagegen "Musik der Straße bzw. zurückhaltende Streicher "Der alte Hunger bleibt".


 



Augenzwinkernd, wenn auch überdeutlich und fraglos unwiderstehlich an Dauer-Idol Jacques Brel gemahnt das fröhliche Up-Tempo-Chanson "Das Röschen"; "Ich hab gedacht, das alles gehört mir" und "Zweimal im Leben" stellen hingegen, ohne jegliche stilistische Brüche, durchwegs elitäre, zickige, zugleich so überaus vertraute Kompositionen dar, wie wir sie von Klaus Hoffmann seit über 30 Jahren zweifellos erwarten dürfen.

Der letzte Track der rund 58minütigen CD "Spirit", "Beginnen" ertönt, sehr sanft, introvertiert, stellt aber so etwas dar, wie eine offensive Liebeserklärung an das Leben. "Beginnen / jeden Tag" sollte der geneigte Zuhörer, niemals auf negatives Vergangenes zurückblicken, sondern Morgen für Morgen positiv und hoffnungsvoll auf das blicken, was ihm die kommenden 24 Stunden so alles erbringen werden!

Klaus Hoffmann vermag es auch auf "Spirit" immer wieder, persönliche, intime Gedanken und Empfindungen kongenial mit deutscher Nachkriegsgeschichte und – natürlich – regelmäßig lokalpatriotischer Berlin-Liebe zu verbinden. Für Hitparaden und Radios ist dieses prickelnde Opus selbstverständlich nichts. Dafür sind die Texte zu anspruchsvoll, zu quergedacht, ist die musikalische Ausgestaltung viel zu unspektakulär ausgefallen, da ohne grelle Effekte und unnötige Modernität auskommend.

Realen, unorthodoxen Musikgourmets ohne Scheuklappen jedoch wird "Spirit" genau diesen verleihen – sie werden an Klaus Hoffmanns 2008er-Stellungnahme genauso viel Freude haben, wie an den zig wundervollen Produktionen der Berliner Liedermacherlegende zuvor!


Gesamtnote: 1

Quelle: Holger Stürenburg, 15./16. Mai 2006

 

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