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17.12.2007 - 00:00:00

JONNY HILL
Die CD "Was zum Teufel ist schon Liebe?" - von Holger Stürenburg auf Herz und Nieren geprüft!

Zusätzlich zu seinem auf Smago.de kürzlich von mir vorgestellten Konzertmitschnitt "Live in Concert", veröffentlichte der aus dem steirischen Graz stammende Countrybarde JONNY HILL ein brandneues Studioalbum.

Dieses nennt sich "Was zum Teufel ist schon Liebe?" (MCP/VM) und beinhaltet zehn aktuelle, mehrheitlich vom Interpreten selbst verfaßte Songs zwischen Schlager, Pop, sachten Rockanklängen, einwenig Volkstümlichem - stets jedoch mit dem Hill-spezifischen Flair, bestehend aus gitarrenlastigen, freiheitsdurstigen Countrysounds, versehen. Zwei allseits bekannte, aber vollkommen neu eingespielte Bonustracks schließen die ca. 43minütige Produktion auf fröhlich-aufmunternde Weise ab.

Zu den interessantesten Beiträgen von "Was zum Teufel ist schon Liebe?" zählt zweifelsohne "Du warst mehr" – eine elektrisierende, alles andere als alltägliche Mixtur aus Sprechgesang in den Strophen, sanften Melodiebögen im Bridgeteil und knackigem, treibenden, latent blueslastigen Gitarrenrock im Refrain.

Gleichfalls im einheimischen Popgeschehen nicht allzu häufig anzutreffen und daher besonders ansprechend: Die plietsche Verbindung von jamaikanischen Reggaerhythmen und US-amerikanischen Country-Spielereien, das ungewöhnliche Aufeinandertreffen von feurigen Marimbas und quietschender Steel-Guitar, in "Komm, laß uns einfach fortfahr’n".

Lyrisch äußerst romantisch und gänsehauterzeugend ausgefallen: "Jeden Abend um halb acht". Während der viel zu früh verstorbene Rockanarcho Rio Reiser "Jede Nacht um halb eins", wenn das Fernsehen rauschte, sich ausmalte, was er wohl anstellte, wenn er "König von Deutschland" wäre, beschleichen das Lied-Ich in genanntem, melancholisch-atmosphärischen Mid-Tempo-Popschlager, ein paar Stunden früher, eben "Jeden Abend um halb acht", völlig andere Gefühle. Täglich zu jenem Zeitpunkt, denkt ein verliebter Mann an jenen unvergleichlichen Moment zurück, als er seine Traumfrau kennenlernte – denn dies geschah genau, kurz nach den "Heute"-Nachrichten, ergo um punkt 19.30 Uhr.

Klassischen Johnny-Hill-Countrypop vernehmen wir in der rasanteren Gitarrennummer "Und wieder fahr ich weg von Dir" oder dem eher betulichen, in lyrischer Hinsicht enorm abgeklärt-enttäuscht wirkenden Liebesgeständnis "Geblendet von der Nacht", während der eingängige Popohrwurm "Eine wie Du" einerseits ein perlendes, vorantreibendes Ambiente aufweist, zugleich aber auch eine gewisse, durchaus treffliche Portion wohliger Düsternis an den Tag legt. Ehrlich, authentisch, wenn auch einwenig zu "betroffen" ausgestaltet, dringt das monumental-sakrale, von dramatischen Gospelchören untermalte Beinahe-Gebet "Lieber Gott" aus den Boxen.
Am Rande mainstream-orientierter Belanglosigkeit verharren dagegen die unnötig volkstümlich inszenierten (bzw. verhunzten) Ballädchen "Was zum Teufel ist schon Liebe?" bzw. "Spiele nicht mit mir".

Als nicht unoriginelle Bonuslieder fungieren die von Hill persönlich textlich bearbeiteten Genre-Standards "Country Roads (Dieser Weg führt nach Haus)" (im Original von John Denver) und eine eingedeutschte Fassung von Johnny Cashs "Ring of Fire", übersetzt zu "Ein Ring aus Feuer" – beide allerdings in etwas zu stille, zurückhaltende, beinahe semiakustische Arrangements verpackt, die leider dafür sorgen dürften, daß Discjockeys beim Einsatz dieser unverbrüchlichen Partyhits vermutlich vielmehr auf die angloamerikanischen Urfassungen bzw. die aufgedonnerten Fetenversionen derer, etwa eines "D.J. Ötzi" oder einer "Hermes House Band", zurückgreifen werden.

Alles in allem aber beweist "Was zum Teufel ist schon Liebe" ein ums andere Mal, daß der am 27. Juli 1940 unter dem Realnamen Ferry Gillming in Graz geborene Sänger, Gitarrist und Texter, trotz seiner inzwischen 67 Lebensjahre, noch längst nicht zum alten Eisen gehört.



Am faszinierendsten und überzeugendsten ertönen seine neuen Lieder gerade dann, wenn darin, wie eingangs erwähnt, scheinbar unverbindbare Stilistiken zu einer feinst schmeckenden Klangmelange zusammengefügt werden. Auf alpine, volkstümliche Stilfragmente, wie etwa im Titelsong gänzlich unpäßlich eingebaut, sollte Jonny Hill allerdings jetzt und in Zukunft vollst verzichten – selbst, wenn seine derzeitige Plattenfirma MCP/VM, die überwiegend in ebenjenem, nicht unumstrittenen volkstümlichen Metier tätig ist, ihn womöglich immer wieder dazu drängen sollte.


Gesamtnote: 2plus

Quelle: Holger Stürenburg, 12. Dezember 2007

 

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