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10.11.2006 - 00:00:00

JAMES LAST
"The LAST Tour"? - Wer's glaubt, wird selig...!

smago! war am 07.11.06 in der Freiburger "Rothaus Arena" vor Ort...:

Gleich einmal vorweg: Gäbe es einen smago!-Award für die herausragendste Marketing-Leistung des Jahres in Bezug auf eine Tourneeproduktion, der Preis würde ohne Frage an diejenige/denjenigen/diejenigen gehen, die/der/die die Wortschöpfung "The LAST Tour" für die aktuelle Tournee von JAMES LAST erdacht haben. Auch wenn diese "The LAST Tour", vermutlich um den Vorverkauf anzuheizen (nebenbei bemerkt: das wäre bestimmt gar nicht nötig gewesen...) als "Abschiedstournee" ("zum letzten Mal auf großer Tournee") deklariert wurde... - wer's glaubt, wird selig. (Und wer nicht, der kommt auch in den Himmel.) Die Aussage "The LAST Tour" ist gleichwohl verbindlich (im Sinne von "Die letzte Tournee") als unverbindlich ("Die Last-Tournee", denn der gute Mann heißt letzten Endes eben "Last"). Ein wirklich cleverer Schachzug!

Der mittlerweile 77-jährige Bandleader, Komponist, Produzent und Arrangeur James Last ist längst eine Legende der Superlative. (Und im Übrigen noch äußerst lebendig.) Seine Musik wird in über 150 Ländern der Erde gehört, 80 Millionen verkaufte Tonträger, für die er mehr als 200 Goldene und 17 Platin-Schallplatten einheimsen konnte, sind der beste Beweis für seine schier ungebrochene Popularität. Allein in Deutschland liegt sein Bekanntheitsgrad bei sensationellen 93 Prozent.

Doch James Last ist noch viel mehr als der erfolgreichste Bandleader der Welt. Er ist im Prinzip der Mensch gewordene Perfektionismus. Davon konnten sich auch die vielen, vielen Zuschauer in der nahezu restlos ausverkauften "Rothaus Arena" (und die fasst einige tausend Menschen) in Freiburg ein Bild machen. Das Licht- und Bühnendesign war bis auf das kleinste Design optimal auf das äußerst abwechslungsreiche Konzertprogramm abgestimmt. Die absoluten "eye-catcher" - im wahrsten Sinne des Wortes - waren die Leinwände in Form von drei überdimensional großen "Eiern", dank derer man bis in die hintersten Reihen alles ganz hervorragend mitbekam.


 



James Last hatte es mit dem etwas schläfrigen und bisweilen leider auch etwas begriffszustigen Freiburger Publikum zwar nicht immer ganz leicht, doch der sprichwörtliche Funke sprang trotzdem über. Wenn auch vielleicht nicht in der Dimension, wie man sie von anderen James Last-Konzerten (eben in anderen Städten) kennt. Mit einem ausgeklügelten Programm zog er die Fans, die sich aus nahezu allen Altersklassen zusammensetzten, in seinen Bann. "Man muss nur alt genug werden, dann ist man plötzlich ein 'Kultstar' und eine 'Legende', schreibt James Last in seiner Biografie "Mein Leben" nicht ganz frei von Ironie. Schließlich wurde seine Musik in früheren Jahren als "Brei für Zahnlose" verteufelt. Ganz übel fiel einst auch ein Verriss des Magazins "Spiegel" aus: "Beethoven und Blues, Haydn und Hair werden von James Lasts Orchestermaschine auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht. (...) Er schleift Ecken und Kanten ab, schwemmt die Melodie mit opulenten Streicher- und Bläserakkorden auf - und macht die Musik damit selbst für jene zahnlosen Klangschwelger verdaulich, denen nur noch akustischer Milchbrei heruntergeht." Böse, böse. Doch die Zeiten haben sich längst gewandelt... Heute ist vielfach von der "weltbesten Band" und einem "einzigartigen Klangerlebnis" die Rede, von einem "Feuerwerk der Musik" und von "Wohlfühlsound". Selbst der "Spiegel" zeigt sich zwischenzeitlich äußerst versöhnlich...

Das ist auch kein Wunder, denn: Dieser Mann hat eine Aura, von dem viele andere Entertainer nicht einmal zu träumen wagen. Und für seine 77 Jahre ist er weit mehr als "nur" gut in Schuss, wie er über gut 2 ½ Stunden eindrucksvoll bewies.

"Mitgebracht" hatte James Last eine Auswahl der besten Musiker der Welt.

Im ersten Teil des Programms brachte die Big Band der Extraklasse u.a. die Standards wie "Charmaine", das "Chianti-Lied" (ja, ja, der Chianti-Wein, der lässt uns glücklich sein...) oder "Singing In The Rain" zu Gehör. Nach "Candle In The Wind" (von Elton John) präsentierten James Last und seine tollkühne Crew ein ABBA-Medley, bestehend aus den Titeln "Gimme Gimme Gimme (A Man After Midnight)", "S.O.S." und "Mamma Mia", eingeleitet von einem Intro á la Kraftwerk. (Angemerkt sei, dass dennoch  keine 'Mensch Maschinen' über die Bühne "robotierten"...)

"Tapestry Of Nations" widmete James Last allen Kindern dieser Welt. In diesem Zusammenhang empfahl er, das Wort "Erziehung" zu vergessen und stattdessen einfach mit den Kindern zusammen zu leben. Durch das Zusammenleben und durch Vermittlung von Werten würden diese besser erzogen, als stängig zu sagen "mach dies nicht" und "mach das nicht". "Bestimmt besser", betonte er.

Dass James Last nach wie vor musikalisch auf der Höhe der Zeit ist, bewiesen er und sein Orchester mit aktuellen Pop-Hits wie "La camissa negra" (von Juanes) oder mit "La tortura" von (Shakira feat. Alejandro Sanz). Mit "Tequila" (von den Champs) sorgte das Orchester einmal mehr für Stimmung, um dann mit der Ballade "Hero" wieder besinnlichere Töne anklingen zu lassen.

Nach dem U 2(!)-Titel "Vertigo" fand James Last lobende Worte für Bono Vox, den Frontmann der irischen Rockband. Dieser "Typ" sei "ein richtiger Rocker vor dem Herrn - aber nicht so einer, der Fernseher aus dem Fenster wirft oder so ein dummes Zeug macht". Vielmehr habe er bereits Millionen gespendet für arme Kinder in Afrika. Wir lernen: "Es gibt also auch Rocker, die nicht bloß dummes Zeug machen".

Nicht zuletzt eben gerade deshalb, weil James Last vielleicht nicht der weltbeste "Redner" ist, zudem ist er ja für sein Nuscheln bekannt und berüchtigt (man muss sich bisweilen schon sehr anstrengen, um ihn zu verstehen), haben seine Ansagen ihren ganz eigenen Charme. Denn was er sagt, das kommt aus tiefstem Herzen.

Als James Last zu den "Geschichten aus dem Wienerwald" zum Tanz aufforderte, schaute das Freiburger Publikum im ersten Moment ziemlich dämlich drein. Dies veranlasste James Last zu der Äußerung: "Es gibt Cheeseburger, Hamburger gibt es auch... - aber: Freiburger gibt's doch nur hier. Also bewegt Euch doch mal frei, Leute!". Das saß! Und erstmals wurde getanzt. (Walzer.) Doch schon kurze Zeit später musste Last seine Schäfchen erneut ermahnen: "Ihr mault immer nur rum, sagt weder ja noch nein!". Und prompt spurte das Volk wieder...



Nach "Greensleeves" gab das Orchester den Evergreen "Aber Dich gibt's nur einmal für mich" zum Besten.

Nach einigen weiteren Darbietungen verabschiedete der Bandleader nach ganz genau einer Stunde, 21 Minuten und 57 Sekunden sein Publikum in die gut 20-minütige Pause. (Teil 2 der Vorstellung streckte sich im Übrigen über eine Stunde, sechs Minuten und 37 Sekunden.)

Im zweiten Teil der Vorstellung trug James Last seinen legendären weißen Anzug auf (smago! berichtete - bitte lesen Sie den entsprechenden Artikel HIER nach). Nachdem er seine Band vorgestellt hatte, konnte es weitergehen. Und zwar mit Titeln wie "Somewhere Over The Rainbow", Love's Devine (Seal), "Downtown", "Games" (echten Kenner ist dieses Instrumental auch als Vokal-Version "Eine ganze Nacht" von Vico Torriani geläufig...), "Wake Me Up When September Ends", "Hips Don't Lie" (wiederum Shakira), der "Gartenzwerg-Marsch (Adelheid, Adelheid...)" oder "Na Na Hey Hey Kiss Him Goodbye".

Leichten Punktabzug gibt es für die Zusammenstellung des Programms. Es fehlte irgendwie der rote Faden und vor allem - der Spannungsbogen. Vor allen Dingen ließ James Last im Grunde genommen alle seine großen Erfolgstitel aus. So warteten die Fans völlig vergeblich auf den einsamen Hirten, auf die "Biscaya", auf "Happy Heart" und dergleichen mehr. Leider wurde das Publikum auch nicht mit "Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung" verabschiedet, sondern mit "You'll Be In My Heart". Von seinen bekannten TV-Melodien ganz zu schweigen. Andererseits ist das Fehlbleiben dieser Last-Klassiker - zumindest bedingt - entschuldbar. Zumindest erklärt James Last in seiner im Heyne Verlag erschienenen Biografie "Mein Leben": "Natürlich gibt's auch Fans, die ewig nur das 'Traumschiff' oder 'Biscaya' hören wollen, doch ich kann mich nicht selbst belügen und immer noch genauso arrangieren wie vor dreißig Jahren - oder bis zu meinem letzten Seufzer nur mehr 'Wenn das Traumschiff morgens um sieben durch die Biscaya segelt, ist die Welt noch in Ordnung' leiern."

Okay, akzeptiert. Aber es sei doch die Frage in den Raum gestellt, ob James Last nicht besser gefahren wäre, wenn er die Vokal-Parts innerhalb seines Programms etwas zu Gunsten zumindest einiger seiner großen Instrumental-Erfolge reduziert hätte. Schließlich bezahlt das Publikum in erster Linie für ihn Eintritt. Und nicht für irgendwelche Chorsänger (so gut sie auch immer sein mögen!), die sich für die Reinkarnation von Sammy Davis jr. halten. Wiederum andererseits weiß man natürlich, dass seine Musiker für James Last seit jeher seine zweite Familie sind. Insofern ist im Grunde genommen auch dieser Kritikpunkt widerlegbar. Denn dass er seinen Musikern (und Chorsängern) so viel Respekt zollt, hat ja fast schon wieder Lob (großes Lob!) verdient.

Und: Es war auch so ein stimmiger Abend. Ganz abgesehen davon, dass diese Tournee ganz gewiss nicht seine letzte (also nicht "The LAST Tour" im Sinne von "die letzte Tournee") gewesen ist, sondern lediglich eine weitere "Last-Tour", also eine ganz normale weiter Tournee von James Last. Und so verwunderte es auch letzten Endes niemanden, dass der 77-Jährige gegen Schluss verlautbarte: "Ich kann nicht aufhören, Leute! Ich kann nicht aufhören!".

Und das ist gut so! Bis bald also, "Hansi" - bei der nächsten "The LAST Tour", die dann ganz gewiss erneut als Abschieds-Tournee verkauft werden wird. Aber das soll uns nicht weiter stören.


Bitte beachten Sie auch www.jameslast.com!

 

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