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15.05.2008 - 00:00:00
INKA
Die CD "Mir fehlt nichts" im Test von Holger Stürenburg!
Dieser Tage legte die vielbeschäftigte Sängerin, Schauspielerin, Radio- und TV-Moderatorin INKA BAUSE – kurz: Inka – ihre zweite CD-Produktion für das Diepholzer Label DA Music vor. Dem blonden Multitalent, gebürtig aus Leipzig stammend, später in Berlin lebend, wurde künstlerisches Talent sozusagen mit in die Wiege gelegt.
Ihr Vater war nämlich niemand Geringerer, als "DDR"-Starkomponist Arndt Bause (+ 2003), der Zeit seines Lebens über 1200 Tanzmusiktitel, ein vollständiges Musical und zig hochgradig beliebte Ostschlager schrieb, von denen nicht wenige gleichfalls in der BR Deutschland zu formidablen Hits erwuchsen. Beste Beispiele: "Sing mei Sachse, sing" (Jürgen Hart, 1980) oder "Erna kommt" (Hugo Egon Balder, 1984).
Für "DDR"-Schlagerikone Frank Schöbel hatte Vater Bause im Jahr 1972 die erfolgreiche Single "Gold in Deinen Augen" ersonnen – und ebenjene traumhafte Ballade über eine verliebte Sommernacht, irgendwo am Straßenrand, nahe eines romantischen Mohnfeldes, dient nun – genau 36 Jahre später – als erste Singleauskoppelung aus dem brandneuen Album "Mir fehlt nichts" von Töchterlein Inka!
Die knapp 40jährige Blondine war zuletzt überwiegend aufgrund ihrer Modertorentätigkeit für die RTL-Sendereihen "Bauer sucht Frau" bzw. "Unser neues Zuhause" frenetisch gefeiert worden; die Shows erreichten ein ums andere Mal die besten Einschaltquoten – nun aber dürfte Inka wiederum in erster Linie als Sängerin das Interesse der Fans auf sich ziehen.
Zwölf Beiträge beinhaltet "Mir fehlt nichts", mehrheitlich tanzbare, poppige, fetzige, überaus jahreszeitkompatible Popschlager mit Widerhaken, die einen heißen Sommer versprechen, und stilistisch nicht selten über den schlagerspezifischen ‚Tellerrand’ hinwegblicken und somit kesse Fragmente aus Swing ("Die Krönung"), sachten Tekkno- ("Lächeln", "Alles gibt’s nicht") bzw. Dancefloor-Spielereien ("Losgeh’n") oder gar frechen Reggaeelementen ("Party für Zwei") integrieren, wobei natürlich auch grazile, nächtliche Schleicher ("Nelly") oder relaxte Mid-Tempo-Balladen ("Übrigbleiber") keinesfalls fehlen dürfen.
Neben ihrem von ihr getrennt lebenden Ehemann, dem Swingmusiker und Singer/Songwriter Hendrik Bruch, gelang es Inka, weitere Koryphäen einheimischer Liederschreiber-Kunst für "Mir fehlt nichts" zu gewinnen. So etwa Tobias Künzel, den langjährigen Frontmann der augenzwinkernden A-cappella-Truppe "Die Prinzen", oder – man höre und staune – den Friedrichshafner Düster-Chansonnier Stefan Waggershausen.
Letzterer trug zwei wahrhaft sensationelle Kompositionen zu Inkas neuem Opus bei: "Allein auf einer Insel" und "Finger weg von meinem Herzen" zeigen den hochbegabten Songschreiber in Höchstform – beide Titel hätten sich fraglos ohne jegliche Zweifel gleichsam auf einem eigenen Album des Urhebers sehr gut gemacht; sie sind lyrisch, wie kompositorisch, Waggershausen pur – selbst, wenn der Meister vom Bodensee seine musikalischen "Kinder" sicherlich vollkommen divergent arrangiert hätte... Die ursprünglich bzw. inhaltlich eindeutig traurig-melancholisch ausgerichtete Geschichte "Allein auf einer Insel" wurde auf "Mir fehlt nichts" bedauerlicherweise durch eine übermäßige, geradezu grelle Südsee-Ausgelassenheit, inkl. Marimbas und "The Lion sleeps tonight"-Chören, hinsichtlich der klanglichen Inszenierung drastisch unfreundlich konterkariert – was letztlich niemals nötig gewesen wäre, zudem völlig unpassend wirkt und auf diese Weise Stefans phantastischem Epos viel an Charme und Intensität raubt, was es zu keinem Zeitpunkt auch nur in Nuancen verdient hat.
Die meisten Texte hat Inka, in Kooperation mit der Berliner Künstlermanagerin Ingrid Reith (u.a. Andy Borg, Bernhard Brink, Heintje Simons, Graziano), eigenständig geschrieben – und genau hier liegt das (allerdings einzige) Problem an "Mir fehlt nichts". Inka Bause ist zweifellos eine mehr als nur profunde, ausdrucksstarke Sängerin, Entertainerin, Showmasterin – vom Liedtexten sollte sie jedoch schleunigst die Finger lassen. Fragwürdige Formulierungen, wie z.B. "Wenn das Leben gerecht wär’ / Die Guten es ja so / So schön" (aus "Alles gibt’s nicht") oder "Nach dem Frühstücksei / Hätt’ ich Dich so gern dabei / Die Krönung einer Woche / Zu spiel’n / mit Dir" (aus "Die Krönung") gehen sprachlich und grammatikalisch einfach gar nicht...
Die darüber hinaus äußerst faszinierend arrangierte Nachtballade "Nelly" läßt in lyrischer Hinsicht im Grunde genommen zu keinem Zeitpunkt erkennen, was uns die Künstlerin damit sagen möchte – Geht es darin um ein trauriges Kind oder eher eine verlassene Frau, die Selbstmord begehen möchte? Textzeilen der Sorte "Hallo Nelly / Hast bei mir ein Zelt / Doch Dich braucht die Welt" lassen jedoch überhaupt nicht darauf schließen, worum es sich in diesem Titel drehen möge.
Davon abgesehen aber, stellt sich "Mir fehlt nichts" als fröhliche, launemachende, nahezu durchwegs tanzbare, in die Beine gehende Songkollektion dar, die den soeben angebrochenen Sommer 2008 mit einiger Wahrscheinlichkeit mittels des einen oder anderen Radiodauerbrenners konstruktiv untermalen dürfte!
Gesamtnote – Gesang: 2plus
Gesamtnote – Musikalische Umsetzung: 2
Gesamtnote – Texte: 3-4
Quelle: Holger Stürenburg, 12./13. Mai 2008
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