22.03.2008 - 00:00:00
HELENE FISCHER
Die DVD "Mut zum Gefühl - Live" im Test von Holger Stürenburg!
HELENE FISCHER ist zweifelsfrei ein real existierendes Phänomen: Vor drei Jahren noch gänzlich unbekannt – 2008 DIE Sensation in der einheimischen Schlagerwelt schlechthin. Mit so unspektakulären, wie radikalst eingängigen Melodien aus der Feder von Topproduzent Jean Frankfurter, zugleich mit einer schier grandiosen, ausdruckstarken Stimme ausgestattet, gepaart mit bezaubernder Schönheit und einer im Schlagergenre bislang nicht vorgekommenen, offenherzigen Erotik, sang sich die am 05. August 1984 in Sibirien geborene Traumfrau innerhalb kürzester Zeit in die Herzen ihrer täglich mehr werdenden Fans.
Im Frühjahr letzten Jahres bot man dem mittelblonden Shooting Star an, sich ein paar Monate später, in Begleitung einer eigens für sie zusammengestellten Liveband, auf eine erste Solotournee zu begeben. Was für Skeptiker zunächst deutlich nach einem kommerziellen Risiko roch, entpuppte sich schnellstens als überwältigender Erfolg. Nahezu alle Konzerte waren binnen kürzester Zeit ausverkauft, die gebuchten Hallen wurden immer größer, dito die Begeisterung der Fans.
So entschied sich Helenes Plattenfirma EMI, eines ihrer Solokonzerte per Kamera mitzuschneiden und als DVD zu veröffentlichen. Die Aufzeichnung ging am 02. Januar 2008 in Chemnitz vonstatten, und das äußerst wohlmundende Resultat liegt dieser Tage als über zweieinhalbstündige Dokumentation in bester Bild- und Tonqualität vor – was besonders Helenes Anhänger in Nord- und Westdeutschland sehr erfreuen dürfte, da die bisherigen Termine ihrer Solotournee überwiegend im Osten absolviert wurden, was unter Helene-affinen "Wessis" nicht unbedingt goutiert wurde und in entsprechenden Fan-Foren zu (m.E. durchaus berechtigten) Diskussionen führte, zumal auch des Verfassers dieser Zeilen Heimatstadt Hamburg, trotz zig Fans vor Ort, bislang im Rahmen von Helenes Solotour nicht berücksichtigt wurde – und erst am 31. Januar 2009, also in knapp zehn Monaten, auf ihrem Tourkalender steht.
Wie dem auch sei: Vorliegende DVD unter dem Titel "Mut zum Gefühl – Helene Fischer live" verkürzt die Wartezeit für uns "Fischköpfe" (und viele andere Helene-Freaks all over the Bundesrepublik) bis zur im Oktober 2008 einsetzenden Fortsetzung ihrer Konzertreise enorm.
Vor einem hingerissenen Publikum zu Chemnitz, zelebrierte die erst 23jährige, aber hochprofessionell agierende, ausgebildete Musicaldarstellerin insgesamt über 30 Lieder, von denen die meisten natürlich ihren beiden Hit-Alben "Von hier bis unendlich" (2006) und "So nah wie Du" (2007) entnommen wurden.
Die nicht selten recht synthetisch ertönenden Arrangements genannter Studioproduktionen setzte eine famose sechsköpfige Band (plus drei Chorsänger), unter der Leitung des "alten Hasen" Johan Daansen, perfekt für die Bühnennutzung um – Johan Daansen kennen Eingeweihte schon seit über 20 Jahren als phantastischen Arrangeur und Gitarristen. So veröffentlichte dieser 1984 eine klassische (und ultrarare) New-Wave-Synthipop-Single namens "Deadly Games", trug ein Jahr später maßgeblich zur hohen Qualität von Peter Maffays genialischem Albumklassiker "Sonne in der Nacht" bei und produzierte 1988 die freche LP "In Flagranti" der plietschen Bajuwarenrocker "Spider Murphy Gang". Mit "Altmeister" Daansen hatte Helene auf ihrer Solotour einen ausgewiesenen Fachmann an ihrer Seite, der gediegen und mehr als nur gekonnt die musikalischen Geschicke in die Hand nahm und für einen hervorragenden Sound im Zuge der gefeierten Konzertreise seines jungen Schützlings sorgte.
Selbstverständlich hatte Helene, wie wir auf hier analysierter Live-DVD genußvoll sehen und hören können, alle ihre Up-Tempo-Reißer – von "Fantasie hat Flügel" über "Mitten im Paradies", bis zu "Du fängst mich auf und läßt mich fliegen" bzw. "Und morgen früh küß ich Dich wach" -, genauso im Gepäck, wie stillere Balladen und knisternde Schleicher der Sorte "Du hast mein Herz berührt", "Im Kartenhaus der Träume" oder "Im Reigen der Gefühle" – Titel, die erst wenige Jahre, wenige Monate, alt sind und trotzdem bereits jetzt als unverbrüchliche Evergreens des Deutschen Schlagers eingestuft werden müssen, an die man sich garantiert noch in 20, 30 Jahren mit viel Wohlwollen erinnert.
Immer dann, wenn Helene ihr Kostüm wechselte, blendeten die für den technischen Ablauf des Konzertes Verantwortlichen zwei süße Zeichentrick-Sternchen auf einer überdimensionalen Leinwand ein, die sich liebevoll ironisch zum Konzertrepertoire äußerten, wobei erwähnt werden sollte, daß die Stimme des männlichen Sterns von niemand geringerem stammt, als von Multitalent – Sänger, Sprecher, Moderator – Ronny Krappmann.
Helene zog sich in Chemnitz oft um und – rein subjektiv, aus der Sicht des Verfassers – häufig zuwenig an. Die 23jährige ist fraglos das Erotischste, was der Deutsche Schlager jemals hervorgebracht hat. Allerdings sollte sie ihre Schönheit, ihren Traumkörper, ihre "Sexy-ness" (schrecklicher Anglizismus. Der Verf.), nicht unnötig öffentlich zur Schau stellen bzw. übermäßig strapazieren. Wenn Helene etwa, nur mit Straps und einer Art Korsage bekleidet, fraglos höchst lasziv, ein so harmloses Popschlagerchen wie "Es gibt keinen Morgen danach" singt, könnte dies auf den – ggf. distanzierteren – Beobachter schon recht skurril wirken. Im Hip-Hop- und Dancefloor-Spektrum sind spärlich bekleidete Sängerinnen an der Tagesordnung; im Schlagerumfeld ist zuviel Erotik auf der Bühne bestenfalls als unpassend zu betrachten.
Auch die Tatsache, daß Helene JEDEN männlichen Fan, der ihr Blumen an den Bühnenrand bringt, sogleich herzlich küßt, könnte Gerüchte über die Künstlerin in die Welt setzen, die zwar eindeutig Fehl am Platze sind, aber durch ein solches Verhalten klarerweise immer wieder neue Nahrung bekommen. (Wobei sich der Rezensent an dieser Stelle fragt, was wohl passieren würde, nähme er all seinen "Mut zum Gefühl" zusammen und trüge er ad Personam einst Helene Blumen gen Bühne... dies wäre zweifellos ein interessantes "empirisches Experiment", welches für den Verfasser dieser Zeilen vermutlich aber alles andere als positiv ausginge ;))
Zusätzlich zu ihren eigenen Gassenhauern, präsentierte Helene in Chemnitz einige wundervolle, gut ausgewählte Fremdtitel anderer Künstler. So etwa Peter Maffays unverbrüchlichen "Tabaluga"-Klassiker "Ich wollte nie erwachsen sein", Jennifer Rushs 1984er-Monumentalballade "The Power of Love", laut Helene ein Titel, den sie erst als Teenager in der späteren Fassung von Celine Dion kennengelernt habe, der sie aber seitdem durch ihr gesamtes Leben begleitet hat, oder ein faszinierendes Potpourri, bestehend aus den bekanntesten Volksweisen ihrer russischen Geburtsheimat.
Was kein Schlagerfreund für möglich gehalten hatte, passierte gegen Ende von Helenes Chemnitzer Show: Mit einem überaus aufregenden, hautengen Lederdreß bekleidet, sprang die fundamentale Schlagerschönheit auf die Bühne und intonierte, vom Publikum frenetisch aufgenommen und gesanglich unterstützt, den drallen "Queen"-Hardrocker "We Will Rock You"!
Die allerletzte Zugabe bewies – wie schon zuvor Helenes geniale Adaption der "Evita"-Titelmelodie "Weine nicht um mich, Argentinien" –, daß die engelsgleich singende Lady mit den für sie seitens Jean Frankfurter und seinem Team – ohne Zweifel sehr gekonnt – konzipierten "eigenen" Liedern stimmlich maßlos unterfordert ist. In einer von Frankfurter mehr als nur sympathisch und ansprechend überarbeiteten Auslegung der traditionellen Bach-Komposition "Ave Maria" steckte Helene mittels ihrer unkopierbaren Stimme derart viel Atmosphäre, Originalität, Emotion und Authentizität hinein, daß jeder Musikspezialist sogleich erkennen müßte, daß eines schönen – m.E. nicht allzu fernen - Tages der Zeitpunkt kommen wird, an dem die anmutige Deutsch-Russin ihr stilistisches Spektrum, nicht nur betreffs eines wohlig austarierten Konzertprogramms, sondern auch und gerade auf CD-Produktionen, mächtig erweitern wird.
"Mut zum Gefühl – Helene Fischer live" belegt, daß nun tatsächlich ein neuer Stern, der Helenes Namen trägt, am Schlagerhimmel aufgegangen ist. Es wurde in rasantester Zeit ein wahrhaftiger Topstar des Genres geboren, der zwar gerade erst am Anfang einer weit ausbaufähigen Karriere steht, aber mit 200prozentiger Sicherheit das Schlagergeschehen in den nächsten 20, 30 Jahren eloquent mitbestimmen, wenn nicht gar anführen dürfte.
Der Rezensent verfolgt das einheimische Schlagerleben inzwischen seit 1980/81 mit unendlich viel Spaß und Freude, aber gleichsam mit immenser Akribie und analytischem/zeitgeschichtlichen Interesse. Es entstanden seitdem viele tolle, ergiebige Karrieren wunderbarer Sängerinnen – diese (im positivsten Sinne des Wortes) dramatischen Vorgänge, wie wir sie derzeit bei Helene Fischer beobachten können, jedoch müssen im deutschen Schlagerbusiness letztlich als einmalig bezeichnet werden.
Es bleibt nur zu hoffen, daß Helene bald die Grenzen der auf pure Erotik ausgelegten Vermarktungsstrategie ihrer erkennt und, daß zudem beim Publikum nicht schnell eine optionale "Übersättigung" einsetzt, weshalb – um die zu verhindern - die Verantwortlichen dieses nicht mit allzu viel neuen Ton- und Bildträgern ihres Idols "zuschütten" sollten, sondern sich Helene durchaus auch mal ein paar Monate lang eher rar machen sollte, um nicht durch alltägliche, dauerhafte Präsenz genau das Gegenteil von dem zu erwirken, was sie eigentlich erreichen möchte.
Gesamtnote: 1
Quelle: Holger Stürenburg, 19./20. März 2008
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Kommentare:
22.03.2008 11:08:09
Mut zum Gefühl
Hallo Fans
Es war mutig von Helene Fischer eine Solotour zu startem.Aber es hat sich gelohnt und jetzt die DVD zu tour.Ich kann nur sagen einfach super.Diese DvD gibt die stimmung wieder die bei den Konzerten herrschte.Ich war bei zwei konzerten dabei und fühle mich dorthin zurück versetzt wenn ich die DVD ansehe.Der Kauf hat sich gelohnt.Liebe Helene mach weiter so-
Dein Treuer Fan Monika aus Dessau
geschrieben von: Monika Henschel
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