21.04.2008 - 00:00:00
FLORIAN SILBEREISEN
Konzertbericht von Holger Stürenburg – "Frühlingsfest der Volksmusik"!
Geradezu dreieinhalb Stunden lang feierten am letzten Donnerstag, 17.04.2008, ca. 5000 Hamburgerinnen und Hamburger der unterschiedlichsten Altersstufen in der fast bis auf den letzten Platz gefüllten Color Line Arena das diesjährige "Frühlingsfest der Volksmusik".
Dieses präsentierte der wiederum frisch von seinem unglückseligen Schienbeinkopfbruch genesene Nachwuchsheroe Florian Silbereisen (26), der sich nicht nur selbst auf äußerst gekonnte Art und Weise durch alle nur möglichen Stilistiken der Unterhaltungsmusik – von Volkstümlichem, über Schlager, Pop/Rockballaden, Stimmungshits bis hin zu Swing- und Musicalmelodien – sang, sondern, ähnlich wie bei seinen großen ARD-TV-Shows, zugleich auch eine Menge Stargäste aus den verschiedensten Genres den erstaunten Hanseaten vorstellte.
Zu diesen gehörte z.B. die 42jährige Münchnerin ANGELA WIEDL, die 2008 ihr 30jähriges Bühnenjubiläum feiert und bereits 1994, als erste Interpretin des seinerzeit erblühenden Volkstümlichen Genres überhaupt, den begehrten Musikpreis "ECHO" als erfolgreichste deutsche Solokünstlerin in Empfang nehmen durfte. Die gelernte Steuerfachgehilfin brillierte am vergangenen Donnerstag in der Riesenhalle nahe des Hamburger Volksparks in erster Linie mit einer so grazilen, intimen, wie kraftvollen und intensiven Auslegung des um 1830 in Österreich entstandenen Traditionals "Erzherzog-Johann-Jodler", ließ aber gleichsam auch ihre eigenen Hits, wie z.B. den 1994er-Evergreen "Mama Theresa", nicht außer acht.
Kurz darauf standen wahrhaftige lebende Legenden auf der Bühne der Color Line Arena. Die – wie Moderator Silbereisen sie so ehrfürchtig, wie liebevoll ankündigte – "Königinnen der Volksmusik", Maria Hellwig (88) und ihre Tochter Margot (67), begeisterten die (fälschlicherweise!!!) als ach so kühl verschrienen Hamburger mit klassischer Volksmusik und einer schier grandiosen Melange aus Elan, Esprit, Lebensmut, Aktivität und Attraktivität, von der sich manch 20jähriger so einiges abschneiden könnte. Innerlich, wie äußerlich junggeblieben, wirkten die beiden Volksmusik-Göttinnen auf den Rezensenten, der bereits in den 70er Jahren immer wieder diverse Fernsehshows mit Mama und Töchterlein Hellwig in Augenschein nahm, nicht älter, als damals. Voller Wucht und Power, rissen die beiden großen Damen des volkstümlichen Schlagers die Massen von den Sitzen.
Er war DER Kinderstar der ausgehenden 60er Jahre: HEIN SIMONS, einst bekannt und beliebt als HEINTJE. Zwischen 1968 und 1971 feierte der gebürtige Niederländer eine Vielzahl von Top-10-Hits in unseren Breitengraden, die er seitdem viele Jahre lang nicht mehrt ‚live’ aufgeführt hatte. Florian Silbereisen gelang es jedoch, den heute 57jährigen zu überreden, seinen Fans endlich mal wieder jene schön-schaurigen Edelschnulzen darzubieten, die ihn vor 40 Jahren zum gesanglichen Liebling der Nation hatten werden lassen. So hörten wir gestern in der COL Arena nicht nur "Ich bau Dir ein Schloß" oder "Schneeglöckchen im Februar, Goldregen im Mai", sondern natürlich auch seinen unvergessenen Überhit "Mama", mit dem der seinerzeitige Teenager fraglos deutsche Schlagergeschichte geschrieben und einen unverbrüchlichen Jahrhundertklassiker vorgelegt hatte.
Der Partyaufmischer des neuen Jahrtausends schlechthin ist ohne jegliche Zweifel niemand geringeres als Gerry Friedle alias D.J. ÖTZI. Der sympathische Vollblutmusiker wurde – der Rezensent bedauert dies zutiefst – allzu lang auf seinen 2000er-Erstlingshit "Der Anton aus Tirol" reduziert, obgleich der gewitzte Tiroler unvergleichlich mehr "auf dem Kasten" hat. Natürlich MUSSTE Gerry auch am 17.04.08 seinem Markenzeichen "Anton" huldigen. Als weitaus tiefgreifender, eingängiger, ehrlicher (und zugleich wesentlich erfolgreicher), erwies sich allerdings vor rund einem Jahr die rockig-gitarrenlastige Auslegung von Nik P.’s genialischem Ohrwurm "Ein Stern, der Deinen Namen trägt" – ein Titel, den man nur ein einziges Mal gehört haben muß, um ihn lebenslang nie mehr zu vergessen. Klar, daß die Anwesenden gerade Gerrys Aufführung dieses perfekten Popschlager-Hymnus mit besonders frenetischem Applaus bedachten.
Vor einer knapp 20minütigen Pause, gaben sich sämtliche, bislang aufgetretenen Stargäste nochmals die Ehre und intonierten in Medley-Form allseits bekanntes Liedgut der Sorte "Tulpen aus Amsterdam", "Die Fischerin vom Bodensee", "Kufstein-Lied", "Hoch auf dem gelben Wagen" oder "Rosamunde".
Mit der dramatischen Rainhard-Fendrich-Ballade "Wie beim ersten Mal", eröffnete Conferencier Florian Silbereisen den zweiten Teil des Abends, der sogleich mit DEM absoluten Höhepunkt desselben begann: Einer Aufwartung DES Shootingstar des Deutschen Schlagers schlechthin: The One and Only Helene Fischer!!!
Florian kündigte Helenes Stelldichein mittels eines swingenden "Liebesgeständnisses" an – hätte der Verfasser dieser Zeilen ein solches verfaßt oder gar gesungen, stünde wohl längst die Staatsanwaltschaft vor seinem bescheidenen Heim...
Ja, und dann erschien sie: HELENE FISCHER, das vermutlich traumhafteste Exponat, das der Deutsche Schlager jemals hervorgebracht hat.
Die bildschöne Deutsch-Russin, die im Laufe der letzten zwölf Monate nicht nur immer hübscher, sondern gleichfalls erwachsener und professioneller geworden ist, intonierte zwei eigene Hits – "Mitten im Paradies" und "Und morgen früh küß ich Dich wach" -, bevor sie – bekanntlich studierte Musicaldarstellerin –, gemeinsam mit Gastgeber Florian, die drastisch-melodramatisch-hochemotionale Schlußszene aus dem beliebten Singspiel "Elisabeth", das sich um das Leben und Sterben der legendären österreichischen Kaiserin "Sissi" dreht, prickelnd, erotisch, wie definitiv gefühlsstark darbot.
Schlußendlich startete ein so lebenserfahrener, wie vom Leben gezeichneter Künstler im Rahmen der diesjährigen "Frühlingsfest der Volksmusik"-Tournee sein langerwartetes Comeback: NINO DE ANGELO, eine der überzeugendsten und schlicht besten, prägnantesten Stimmen der einheimischen Popszene, stand zwei Jahre lang nicht mehr auf der Bühne – und möchte es 2008 noch mal so richtig wissen. Der sympathische Deutsch-Italiener entführte uns Dank der Darbietung seiner romantischen Frühhits "Ich sterbe nicht noch mal" und – selbstverständlich – "Jenseits von Eden" einmal mehr in unsere Jugend in den 80er Jahren, unterließ es aber leider, einen brandneuen Titel aus seinem langersehnten kommenden Album vorzustellen, das – so pfeifen es die Spatzen längst von den Dächern – in nicht allzu ferner Zeit das Licht der Welt erblicken soll.
Darüber hinaus gab es profunde Parodien – etwa auf "Gitti & Erica" -, kurzweilige Sketche, teils aus der Feder des unvergessenen Rudi Carrell, aber ab und an auch mal recht zotig anmutende Spielereien zu sehen, die weder Jungstar Florian Silbereisen, geschweige denn seine Mitstreiter – z.B. die Überraschungsgäste Achim Mentzel, Fernsehmoderator aus Berlin, oder Grit Boettcher, Boulevardtheater-Legende der 70er Jahre – nötig haben.
Davon abgesehen, bietet das diesjährige "Frühlingsfest der Volksmusik" aber eine äußerst interessante, ausgewogene, mitreißende Mischung aus tollen, allseits beliebten und begehrten Hits und phänomenalen Tanzeinlagen des Deutschen Fernsehballetts des MDR, geleitet und moderiert von einem unermüdlichen Florian Silbereisen, der mit einiger Wahrscheinlichkeit der einzige Nachwuchsmoderator des Hier und Jetzt ist, der es tatsächlich mit den guten, alten Helden unserer Jugend – Rudi Carrell, Hans Rosenthal, Wim Thoelke etc. – aufnehmen kann – all dies garantiert Partystimmung pur, so daß jedem Freund deutscher Schlagerklänge ein Besuch des "Frühlingsfests der Volksmusik" in seiner Stadt nur dringlichst anzuraten ist!
Quelle: Holger Stürenburg, 17./18. April 2008
» weiterempfehlen » kommentieren » drucken
Kommentare:
21.04.2008 21:51:28
Frühlingsfest
Hallo Holger,
Deinem Bericht kann ich auch nur zustimmen.
Es war ein schöner Abend mit abwechslungsreichem Programm.
Helene war dabei natürlich auch meine Favoritin - klar doch:-)
Liebe Grüße von Rainer
geschrieben von: Rainer Hellwig
21.04.2008 09:19:09
Frühlingsfest - Konzertbericht
Lieber Holger, nachdem ich am letzten Samstag, dem 19.04.08, mir das "Frühlingsfest" in der Olympiahalle München angeschaut habe, kann ich deinen Bericht um so besser beurteilen. Ich kann nur sagen: "Stimmt ! Genau so war es".
Du hast es mit "deiner dir eigenen Schreibe :-) auf den Punkt gebracht.
Liebe Grüße
Manni
geschrieben von: Manni Schulte
» weitere Artikel:
30.12.2008 - 00:00:00
23.12.2008 - 00:00:00
18.12.2008 - 00:00:00
05.12.2008 - 15:00:00
05.12.2008 - 00:00:00
04.12.2008 - 00:00:00
03.12.2008 - 00:00:00
03.12.2008 - 00:00:00
01.12.2008 - 00:00:00
29.11.2008 - 00:00:00
| Redaktion & Kontakt | Impressum |
© Design und CMS 2000 - 2009
EVERYCONSULT.NET