01.02.2008 - 00:00:00
FALCO
CD (und DVD) "Symphonic" im Test von Holger Stürenburg!
Am 6. Februar 1998 verstarb der bis dato wohl erfolgreichste, vielschichtigste und weltweit bekannteste österreichische Popmusiker FALCO bei einem Autounfall in seiner Wahlheimat, der Dominikanischen Republik.
Falco, 1957 als Johann Hölzl in Wien geboren, repräsentierte, karikierte und konterkarierte den cool-dekadenten Zeitgeist der 80er Jahre so kongenial, wie kaum ein anderer Stilvertreter dieser Dekade.
Seine Nummer-Eins-Klassiker – ob "Der Kommissar" (1982), "Rock me Amadeus" (1985) oder "Jeanny" (1986) – gelten noch heute als perfekt austarierte klangliche Zeitgeistzeugnisse, besitzen längst musik- wie zeitgeschichtlichen Wert und waren seinerzeit nahezu rund um die Welt zu Megahits und Evergreens erwachsen, die teilweise sogar in den USA oder Japan die Topposition der Charts zu erstürmen vermochten.
Aus Anlaß von Falcos zehntem Todestag, plant seine frühere Plattenfirma GIG/SONY-BMG-Austria eine Menge von hochinteressanten Projekten, die diesem einzigartigen Musiker Ehre erweisen sollen – und dies mit einiger Sicherheit auch tun werden.
Den Anfang des Falco-Gedenkjahres macht die CD bzw. DVD "Falco – Symphonic", die am 01. Februar 2008 bei SONY-BMG auf den Markt kommt, und einen Falco darlegt, wie wir ihn – gerade hierzulande – bislang noch nicht kannten. Denn am 12. Mai 1994 konzertierte "der Falke", begleitet vom 80 Musiker starken Orchester des Wiener Neustädter Konservatoriums, vor mehr als 10.000 begeisterten Fans auf dem Domplatz zu Wiener Neustadt – und zelebrierte rund eine Stunde lang seine wichtigsten Erfolge, wie gleichsam einige Titel aus seinem damals aktuellen Album "Nachtflug", erst- (und leider auch letztmalig) in klassischem, großorchestralen, bombastischen Ambiente – welches diesen ohnehin bereits im reinen Rock- bzw. Synthi-Arrangement sehr hymnisch, monumental, im positivsten Sinne des Wortes "aufgedonnert", "pathetisch" wirkenden Klangdramen, ein noch spezielleres, originäres, authentisches Flair verleiht.
Dieser Auftritt wurde damals vom Wiener Neustädter Lokalfernsehen und einigen Amateurfilmern alles andere als professionell per Kamera und Tonband festgehalten, ohne daß irgendeiner daran dachte, diese Aufnahmen jemals der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Denn alle rechneten damit, Falco würde in Futuro noch weitere solcher Crossover-Veranstaltungen unter dem Motto "U-Musik trifft E-Musik" absolvieren; konstruktiv angedachte Ideen, denen aber sein viel zu früher Tod vor zehn Jahren leider einen Strich durch die Rechnung machte.
Für die Zigtausenden Falco-Freunde rund um die Welt hat des "Falken" einstiger Keyboarder und Bandleader Thomas Rabitsch, in Zusammenarbeit mit SONY-BMG, nun jedoch keine Kosten und Mühen gescheut, das zunächst teilweise wahrlich mangelhafte Video- und Kassettenmaterial aus 1994 – wie Rabitsch sagt – "in aufwendiger, geradezu forensicher Recherche" zu rekonstruieren.
So liegt nun das soweit wieder hergestellte Konzert als DVD und ein daraus entstandenes "Remix-Album" als CD vor.
Für die Silberscheibe "Falco – Symphonic" gingen die Produzenten ein besonderes, alles andere als alltägliches Wagnis ein: Sie mischten Falcos allseits bekannte Vokal-Parts aus seinen Studioproduktionen der 80er und 90er brandaktuellen Aufnahmen o.g. Wiener Neustädter Orchesters hinzu – was dem gesamten Vorhaben natürlich die bestmögliche Klangqualität verabreicht hat.
Zwölf klassisch, mit vielen Streichern, Bläsern und dem offiziellen Falco-Fanclub als Hintergrundchor, arrangierte Titel finden sich auf der insgesamt 71minütigen CD, die in dieser musikalischen Verkleidung einen so ungewohnten, wie fraglos extremst elektrisierenden Reiz verstrahlen.
Neben den unvergeßlichen Dauerbrennern a la "The Sound of Musik", "Jeanny" (Part 1 & 2, zum Medley verschmolzen), "Rock me Amadeus" oder – na klar – "Der Kommissar", kommen auf "Symphonic" v.a. Geheimtips (etwa der ewig unterschätzte 1986er-LP-Titel "Les Nouveaux Riches") oder eben Beiträge von Falcos 1992er-Album "Nachtflug" zum Zuge: So z.B. der eher balladeske Titelsong, die zickigen-zynischen Tanznummern "Monarchy Now" bzw. "Dance Mephisto" oder die einstige erste Singleauskoppelung aus "Nachtflug", die herrlich überdrehte Klanghysterie "Titanic".
Vier leckere Bonustracks wurden zudem von der gleichnamigen DVD auf die CD transferiert: Dabei handelt es sich um die 1984er-Yuppieelegie "Junge Römer", Falcos skandalträchtiges Solodebüt "Ganz Wien" (1981) sowie den hervorragenden David-Bowie-Verschnitt "Helden von heut’" und ein 1:40 langes/kurzes Reprise dieses Zeitgeisttreffers aus Falcos grandioser Debüt-LP "Einzelhaft", die im Frühjahr 1982 das Licht der Öffentlichkeit erblickte (und vor einem Jahr zum 25jährigen Erscheinungsjubiläum als vornehm ausstaffierte Sonderedition "digital remastered" in Form einer höchst gelungenen Doppel-CD wiederveröffentlicht wurde).
Die DVD "Falco – Symphonic" beinhaltet letztlich ein technisches Wunder: Thomas Rabitsch und seine Mitarbeiter stellten hierfür aus, wie erwähnt, kaum vorzeigbarem Video- und Tonmaterial eine vollständige Rekonstruktion von Falcos U-meets-E-Auftritt vom 12.05.1994 zusammen. Sämtliche Instrumentalparts – Band, wie 80köpfiges Orchester – wurden 2007 neu eingespielt, Falcos Gesangsstimme des Originalkonzerts dagegen mittels hochmoderner Computerprogramme in mühevoller Kleinarbeit aus dem unbrauchbaren Begleitrahmen herausgefiltert. Die zuvor minderwertigen Bildmitschnitte wurden, ebenfalls am PC, neubearbeitet; darüber hinaus fahndete man regelrecht nach den Amateurfilmern, die im Mai vor 14 Jahren ebenjenes Konzert für sich privat aufgezeichnet hatten – so daß schlußendlich tatsächlich ein absolut echtes, visuell wie klanglich schier phänomenales Falco-Konzertereignis daraus geworden ist, dessen nachträgliche Erstellung allen Beteiligten – wie der ca. 17minütige "Making-of-Beitrag auf vorliegender DVD eindeutig beweist – zwar enorm viel Anstrengung gekostet, aber zugleich immens viel Spaß gebracht hat.
Der "Falke" im Himmel dürfte auf die Leistung seiner einstigen Kollegen und Freunde jedenfalls sehr stolz sein. Was Thomas Rabitsch und Co. für CD wie DVD unterschiedslos zusammengezaubert haben, ist in der internationalen Musikszene bislang beispiellos – und hat auch mit der ganz zurecht wiederum schnell versiegten Mode zu Millenniumszeiten, sog. "Live"-Konzerte mit Videoeinspielungen toter Stars und direkter, aktueller Bandbegleitung zu teuren Preisen anzubieten (z.B. Elvis Presley, "Queen", gar Jimi Hendrix), rein gar nichts gemein.
Bei "Falco – Symphonic", ob in CD- oder in DVD-Form, handelt es sich um eine grundehrliche, vollkommen ernstgemeinte Hommage an einen großen, unkopierbaren Wiener Exzentriker, bei deren Herstellung der kommerzielle Gedanke gänzlich im Hintergrund verblieb und es den Machern dieser wunderbaren posthumen Ehrenerklärung ausschließlich darum ging, das Andenken an Falco aufrecht zu erhalten bzw. mit ihrer famosen Produktion neu zu entflammen.
Beinharte Falco-Fetischisten, interessierte, undogmatische Musikgeschichtler, unverbrüchliche 80er-Freaks und –Chronisten werden den an der kreativen Kreierung von "Falco – Symphonic" Beteiligten jedenfalls äußerst dankbar für ihre diffizile Kleinarbeit sein. All diese werden hier analysierte Ton- bzw. Bildträger mit viel Freude und Ehrfurcht vor dem toten Künstler in aller Form goutieren.
Falco-Einsteigern sei jedoch zunächst eher die zeitgleich erscheinende Neuauflage der 2007er-Doppel-CD "Falco – Hoch wie nie" empfohlen, deren Erstveröffentlichung ich vor einem Jahr HIER ausführlich vorgestellt habe!
Gesamtnote: 1 (CD u. DVD)
Quelle: Holger Stürenburg, 28./29. Februar 2008
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Kommentare:
01.02.2008 16:25:36
falco austria
Bei allem Respekt vor Falco, den ich wirklich sehr (auch menschlich) geschätzt habe,
der erfolgreichste Österreicher im Ausland ist und bleibt offensichtlich Herr Udo Jürgens. Bislang kann keiner an seiner weltweiten Karriere aus -Österreich kommend -auch nur tippen. Herr Stürenburg bitte beachten.
MfG
C.Stimpfig
geschrieben von: claus stimpfig
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