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30.01.2006 - 00:00:00

BJÖRN CASAPIETRA
Sein neues Album "Meines Herzens Wahrheit" (!) ist "ein Kaleidoskop der Emotionen"...

... - meint man in jedem Fall im Hause Ariola! Ab dem 24.02.06 können Sie den Selbstversuch wagen - dann nämlich erscheint das Album!

Er spart nicht mit opulenten Melodien. Er spart nicht mit Spitzentönen. Und er widmet sich hingebungsvoll den ungezählten Facetten eines großen Themas: der Liebe.

BJÖRN CASAPIETRA ist ein vielseitiger Künstler. Einer, der sich im Spannungsfeld von Kunst und Karriere beständig bewährt hat und mit entwaffnendem Charme ein breites Publikum immer wieder begeistert. Er sieht die Welt nicht aus dem Elfenbein-Turm. Er blickt niemals herab. Björn Casapietra gehört im Gegenteil zu jenen, die weder menschliche noch künstlerische Berührungsängste kennen, im Zweifelsfall aus einem sicheren Gefühl heraus agieren – und instinktiv den "richtigen Ton treffen".

"Ein Bärenherz" heißt ein Lied seines neuen Albums. "Requiem für einen Engel" ein anderes. Ein zartes Schlaflied und – die sich steigernde, dramatische Trauerklage eines Vaters um das verlorene Kind. Beide Songs entstanden aus Casapietras Eindrücken im Rahmen seiner Arbeit für die Stiftung "Bärenherz", einer Organisation für die Betreuung schwerstkranker Kinder. Seit Jahren engagiert sich Casapietra für ein von der Stiftung unterhaltenes Hospiz in Wiesbaden und widmete diesem ein Benefizkonzert mit CD-Mitschnitt.

"Liebe ist das Einzige, was eine Seele wirklich braucht", schreibt Casapietra im Fragebogen auf seiner Homepage. Liebe ist das Leitmotiv des neuen Albums, mit dem er einmal mehr auf musikalische Weltenwanderung geht. Die große Opernszene ist dort genauso vertreten wie die atmosphärisch starke, mystische Ballade, die heldenhafte Arie wie der Song mit echter Ohrwurm-Qualität. Aus der berühmten La Traviata-Ouvertüre wird ein Duett (an seiner Seite: der neue Sopran-Star am Musical-Himmel, Olivia Safe) mit Texten aus Verdis Oper. Die legendäre Titelmusik zur TV-Serie "Fackeln im Sturm" wird zur liebesseligen Hymne "Luce di te" ("Dein helles Licht"). Und ("...wieder so eine Respektlosigkeit", sagt Casapietra) eine Arie der Dalila aus Camille Saint-Saëns’ Samson et Dalila mutiert im Arrangement zu einem gewagten Duett mit explizit erotischen Bezügen.

Björn Casapietra akzeptiert keine stilistischen Demarkationslinien. Den feuilletonistisch verstaubten Unterschied zwischen "U" und "E" löst er einfach auf und folgt damit Leonard Bernsteins Verdikt, es existiere keine klassische oder populäre Musik, sondern nur gute und schlechte. Zu Casapietras Lieblingsstars gehören so neben Maria Callas und Franco Corelli auch Freddie Mercury, Bono von "U2" und Nick Cave.

"Vaters Lied" heißt ein weiterer Titel der CD. Selten erlebte man Björn Casapietra so persönlich, so voller Demut und Offenheit für seine eigene außergewöhnliche, deutsch-italienische Geschichte. Aufgewachsen als Sohn des Dirigenten Herbert Kegel und der legendären Genueser Primadonna Celestina Casapietra, musste er in jungen Jahren die Scheidung seiner Eltern und den Selbstmord des Vaters miterleben – ein Trauma, dessen Schatten ihn noch heute begleitet.

Den "wichtigsten Text meines Lebens" nennt er die Worte zu "Vaters Lied", eine musikalische Hommage nach der Melodie von Borodins bekannten Polowetzer Tänzen, hier jedoch in einer getragenen und introvertierten Fassung: "Du und ich, nur einmal wünscht ich es mir, gemeinsam zu musizieren", lautet der Refrain, und Casapietra singt von dem Wunsch, "voller Stolz, Dein Sohn zu sein". Im Juli dieses Jahres wäre Herbert Kegel 85 Jahre alt geworden.

Die Begegnung von Tradition und Moderne, von klassischen und zeitgenössisch populären Klangdesigns charakterisiert das ganze Album. Casapietras Produzent und Freund Jam el Mar ist für diese attraktive Sound-Melange verantwortlich. Er komponierte dem Tenor seine Songs buchstäblich "in die Kehle" und bettete sie ein in bestechende Arrangements. Dass der Hörer Casapietra heute in stimmlicher Top-Form erlebt, ist dabei kein Zufall. Unermüdlich setzte er in den vergangenen zwei Jahren seine Gesangsstudien fort (darunter auch bei seiner Mutter) und erreichte einen neuen Grad der Perfektion, die ihn auch diffizilste Stücke bewältigen lässt. Paradebeispiel: Das geistliche Lied "O divin Redempteur" von Charles Gounod. Casapietra verzichtete bewusst auf das ansonsten unvermeidliche "Ave Maria" ("Ich wollte da etwas anderes, neues, das aber ebenso schön und melodiös ist..."). Also wählte er diese zunächst schlicht anmutende geistliche Komposition, die bisher nur in zwei Aufnahmen (Roberto Alagna, Plácido Domingo) existiert. Sie führt schließlich in höchste vokale Höhen und fordert dem Interpreten eine ganze Reihe hoher Spitzentöne in Folge ab. Dazu der Sänger: "Da ich in den letzten Jahren hart und schweißtreibend gearbeitet habe, denke ich dass es mir gut gelungen ist!"

Bestens gelungen und doch völlig anders ist auch der darauf folgende Song "Zephyr" von Jam el Mar. Er bildet ein Gegengewicht zu Gounods dramatischem Glaubensbekenntnis und beschwört mit getragenen Sphärenklängen eine mystische Atmosphäre herauf. Der Text der dänischen Autorin Sophie Page inszeniert dazu ein poetisches Spiel aus Naturbildern.

Björn Casapietra wäre jedoch nicht er selbst, wenn er sich nicht ausgiebig seinem italienischen Erbe widmen würde. Neben dem Traviata-Zitat steht hier vor allem das traditionelle Genueser Lied "Ma se ghe Penso": "Es ist das berühmteste Lied meiner Heimatstadt, das Lied der Casapietras". Es erzählt im lokalen Dialekt die Geschichte eines Genuesers, der auszieht, um in der spanischen Fremde sein Glück zu suchen und mündet in einen Dialog zwischen Vater und Sohn über die ewige Sehnsucht nach der alten Heimat. Er könne das ewige "Caramba!" nicht mehr hören, sagt der Vater, und er sehne sich so sehr nach den Schönheiten der heimischen Hafenstadt. Die schlichte Begleitung: Gitarre, Akkordeon, Mandoline und Streicher.

Und natürlich kommt auch die italienische Oper gleich zu Anfang zu ihrem Recht. "Amore sarà" heißt hier das großartige Intermezzo aus Pietro Mascagnis "Cavalleria rusticana". Kenner werden es jedoch sofort bemerken: Hier wurde aus dem Solo ein Duett (Sopran: Olivia Safe) – und aus dem Originaltext der Dialog eines Liebespaars, das Höhen und Tiefen gemeinsamer Zeiten Revue passieren lässt.

Populäre Melodien in raffiniert-modernen Bearbeitungen präsentiert Casapietra mit zwei Titeln, für die TV und Kino Pate standen. "Luce di te" ist die Vokalfassung der Titelmusik zu "Fackeln im Sturm": "Mir war auf Anhieb klar, dass das Thema einfach gesungen werden muss", sagt Casapietra, "Bezeichnenderweise ist der Komponist Bill Conti Italo-Amerikaner. Es ist das kommerziellste Stück auf dem Album. Eine Hymne auf die Liebe und ein unglaublicher Ohwurm. Es könnte auch ein italienischer Gassenhauer sein..."

Aus dem Film "Dragonheart" stammt der gleichnamige Titel – ein romantisches, mittelalterlich anmutendes "Heldenepos" über das Schicksal des letzten Drachen auf Erden. Last not least: "Voce dal Cuore" (Stimme des Herzens) mit Musik des polnischen Komponisten Wojciech Kilar, der mit seinen Soundtracks zu Francis Ford Coppolas "Dracula", Jane Campions "Portrait of a Lady" und zu diversen Polanski-Filmen international berühmt wurde. Der Titel stammt aus dem Jahr 1977 und steigert sich eindrucksvoll von einer zarten Klaviermelodie zu einem finalen, fast "symphonischen" Monumentalklang mit Gesang, bis er sich mit einem schlicht gesprochenen Text auflöst. Der italienische Text dazu stammt übrigens von Casapietras Cousin Enrico Dagnino.

Den Reigen der vielgestaltigen und internationalen Liebes-Erklärungen in Musik und Text ergänzen zwei Varianten, die einmal mehr die Vielseitigkeit des Sängers dokumentieren: "Love Will Lead You Back Home" ist eines der insgesamt vier Duette mit Olivia Safe und stammt aus der Feder des Komponisten Axel Breitung. "If Love is..." hat laut Casapietra "etwas Wagnerianisches, etwas vom Siegfried-Idyll", stammt wiederum von Jam el Mar, und "wird ein wenig wie ein Schubert-Lied gesungen".

Beide Songs komplettieren ein Album, das trotz seiner zahlreichen, unterschiedlichen Quellen aus einem Guss geschaffen ist. Ein Album, das nicht nur den Künstler, sondern auch den Menschen Björn Casapietra so persönlich vermittelt, wie bisher kein anderes. Und das mit beeindruckendem Selbstbewusstsein und großer handwerklicher Kunst zwischen Musikstilen wechselt und immer wieder verblüffende, moderne Verbindungen herstellt.


 

Quelle: Ariola

 

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