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17.11.2005 - 00:00:00
BAP
Kölsche Band BAP wird 30!
Wenn BAP als eine der erfolgreichsten Rockbands Deutschlands in die Jahre kommt, dann scheinen die ersten Erfolge vor 30 Jahren "Verdamp lang her". "Es war einer der schönsten Momente, als wir gemerkt haben, dass das mit BAP auch außerhalb von Köln funktionierte", erinnert sich Gründer und Frontmann Wolfgang Niedecken an einen der ersten Auftritte in "einem Wuppertaler Jugendzentrum" gegen Ende der 70er Jahre.
Mehr als 20 Erfolgsalben, ausverkaufte Tourneen, Fans überall auf der Welt, zahlreiche Hymnen wie "Lena", "Waschsalon", "Müsli Man", "Time is Cash, Time is Money", "Kristallnaach" oder "Do kanns zaubere" - die Bilanz zum 30. Geburtstag dürfte der Band wie Musik in den Ohren klingen.
Gefeiert wird mit dem neuen Album "Dreimal zehn Jahre" und ab Januar 2006 mit einer Deutschland-Tournee. Begonnen hatte die Band 1976, damals noch in ständig wechselnder Besetzung, "um einen Kasten Bier leer zu proben". Besonders lebhaft in Erinnerung sind Niedecken seit dem Start zwei Auftritte geblieben: "Ein Highlight war unser Auftritt 1982 auf der Loreley, wo wir unser absolutes Durchbruchalbum 'Vun drinne noh drusse' quasi aus der Hüfte gespielt und per Eurovision einem Millionenpublikum vorgestellt haben", erzählt der 54-Jährige. "Wir hatten noch nicht mal ordentlich geprobt, sondern nur ein paar Akkorde durchgespielt."
Unvergesslich nennt der Sänger zudem die China-Tour 1987. "Wir hatten die Einladung zuerst auch mal wieder nicht ernst genommen." Die BAP-Auftritte in Peking, Kanton und Shanghai 1987 waren die ersten einer westlichen Rockband überhaupt in China. "So einen Urknall mitzuerleben oder ihn zu verursachen, das ist der Wahnsinn." Von den 80er Jahren an gehörte BAP zu den populärsten Bands und hatte Alben wie "Für Usszeschnigge" oder "Bess demnähx" teilweise mehr als eine Million Mal verkauft. Bei einem legendären Konzert mehrerer Bands gegen Rassismus in Köln 1992 stammte der Text zu dem gemeinsam gesungenen Song "Arsch huh - Zäng ussenander" aus Niedeckens Feder.
Aber nicht immer ging es ohne Missklänge und Dissonanzen. Niedecken: "Die härteste Phase, die wir hatten, war während der Produktion für das Album 'Ahl Männer aalglatt' (1986). Es war der Anfang einer dann noch 13 Jahre andauernden Tauzieherei, in der es um Richtungskampf ging, um die Frage: Radio-Pop oder Rock'n'Roll." Das künstlerische Ringen mit dem damaligen Gitarristen Klaus "Major" Heuser habe aber auch ein produktives Spannungsfeld erzeugt. "Major" Heuser und das ebenfalls altgediente Mitglied "Effendi" Büchel stiegen 1999 nach "Comics & Pin-ups" aus.
Die Band in der derzeitigen Formation mit Werner Kopal (Bass), Helmut Krumminga (Gitarre), Jürgen Zöller (Schlagzeug) und Micha Nass (Keyboards) werde «wohl noch ziemlich lange zusammenspielen», meint Niedecken. "Wir sind jetzt in einem Zustand mit der Band, der ideal ist. Ein absolutes Rock'n'Roll-Kompetenzteam." Ab Sommer 2006 könnten voraussichtlich die Arbeiten für das nächste Studio-Album beginnen. Für das Jubiläumsalbum "Dreimal zehn Jahre" hatte Niedecken Songs aus den drei BAP-Jahrzehnten ausgewählt und mit Gästen wie Laith Al-Deen oder Xavier Naidoo neu eingespielt. "Wichtigste Spielregel war, dass wir uns von der bisherigen Version freigemacht haben und die Stücke ganz neu angegangen sind. Das sollte keine Nostalgie-Veranstaltung werden."
Dem Kölschen Dialekt will der BAP-Gründer, der sich immer gegen Hochdeutsch oder Englisch in seinen Songtexten gewehrt hatte, auch weiter treu bleiben. Seine Texte - politisch, sozialkritisch, oft auch lyrisch - gelten als Fundament des Band-Erfolgs. "Ich weiß, dass die entscheidende Zutat bei den BAP-Songs meine Texte sind. Aber ohne ein funktionierendes Team wäre ich völlig aufgeschmissen." Der Team- Mensch Niedecken, der an der Fachhochschule Malerei studiert hatte und auch als Maler mit mehreren Ausstellungen von sich reden machte, ist zugleich auch Familien-Mensch. Der Vater von zwei Jungen und zwei Mädchen räumt ein: "Ich glaube, dass nur meine Kinder mich davon abhalten, Zyniker zu werden - bei all dem politischen Müll um uns herum."
Quelle: dpa
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