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28.05.2008 - 00:00:00

ATLANTIS
Die CD "Wir haben noch lange nicht genug" im Test von Holger Stürenburg!

In Österreich ist das Trio gerade auf Platz 61 der Album-Charts eingestiegen! Und auch in Deutschland wird's noch klappen...!

In ihrer Heimat Österreich sind sie seit genau 30 Jahren für zig Gold- und Platinauszeichnungen gut – Aus Anlaß ihres 2008 anstehenden runden Bühnenjubiläums, starten Hans Liner (voc, git), Rudi Wirtenberger (git, b) und Gerhard Kraxner (key) nun auch in bundesdeutschen Gefilden durch.

Die drei sympathischen Vollblutmusiker aus Tirol nennen sich ATLANTIS und präsentieren dieser Tage bei der Kölner EMI ihr Deutschland-Debüt "Wir haben noch lange nicht genug": 14 liebenswerte, überwiegend temporeiche, stets ohrwurmträchtige Perlen, die sowohl im Volkstümlichen Schlager der 90er, als auch im Neuen Deutschen Romantikschlager der 80er Jahre ihren stilistischen Ursprung haben.

Hans, Rudi und Gerhard verbreiten auf "Wir haben noch lange nicht genug" durchwegs Frohsinn, Liebe, Romantik, Gefühl pur und dürften mit dieser faszinierenden Melange aus fröhlichen, mitsingbaren Melodien gehobener Güteklasse und emotionalen, sehnsüchtigen Texten auch in der BR Deutschland für die eine oder andere Überraschung sorgen.

Ein paar der besten, mitreißendsten Titel aus vorliegender, knapp 50minütiger CD möchte ich an dieser Stelle besonders hervorheben und ausführlich vorstellen:

Da wäre zunächst der launemachende, recht rasante Eröffner "Heut Abend soll der Himmel glühn" zu nennen – ein modern arrangierter, enorm tanzbarer Popschlager, komponiert von Andre’ Franke, der zuvor überaus erfolgreich für u.a. Howard Carpendale, Matthias Reim, Claudia Jung oder Bernhard Brink zur Feder gegriffen hatte. Inhaltlich geht es darin um ein Paar, das sich zuletzt wohl etwas auseinandergelebt hat. Doch eben gleich "Heut Abend" soll es wieder losgehen, man möchte sich treffen, lieben, sich wiederum auf sich und die langjährige Beziehung zurückbesinnen, weshalb an eben jenem "Abend" schlicht und einfach für die beiden der "Himmel glühn" möge – und sollten bei diesem emotionalen Großereignis vielleicht gar – Textzitat -"tausend Sterne fallen", so würde auf jedem einzelnen derer selbstverständlich "Ich liebe Dich" darauf geschrieben stehen.

Um eine prickelnde Geschichte, die vom Inhalt her einwenig an Howard Carpendales 1976er-Hitlegende "Tür an Tür mit Alice" gemahnt, dreht sich der liebliche Mid-Tempo-Popper "Ist das nicht zu schön, um wahr zu sein"?: Jahrelang leben zwei Singles – Sie und Er – im selben Haus, auf dem selben Flur. Von einer Sekunde auf die andere, ohne Vorplanung und Vorahnung, macht es – um mit Klaus Lage zu reden – "Zoom" und die beiden langjährigen Nachbarn kommen sich endlich näher, verlieben sich ineinander, und das männliche Lied-Ich fragt sich einfach ganz entgeistert "Ist das nicht zu schön, um wahr zu sein?".

Gitarrenbetont, aufstrebend, ertönt der hintergründig sanft rockende Romantikschlager "Beim zweiten Mal war’s Liebe", der einen ähnlichen Plot erzählt. Er und Sie führten bislang eine intensive Freundschaft, hatten aber Angst vor darüber hinaus gehenden Gefühlen – plötzlich übernachten beide beieinander und stellen daraufhin erstaunt fest: "Beim zweiten Mal war’s Liebe" – mit dieser ersten Promo-Singleauskoppelung aus "Wir haben noch lange nicht genug" wirbeln "Atlantis" seit einigen Wochen die deutschen Rundfunkstationen ganz schön durcheinander!

Doch "Atlantis" taugen nicht nur für schnelle, fetzige Up-Tempo-Nummern, was die stille, in sich gekehrte, auf der Basis eines schummrigen Pianos und romantischer Akustikgitarren arrangierte Kaminfeuerballade "König und Königin" eindeutig beweist. Dabei handelt es sich um eine so grazile, wie intensive Liebeserklärung an eine Traumfrau: "Ich bin der König / Du, die Königin / Du gehst mir einfach nicht mehr aus dem Sinn / Mit Dir zu leben / ist ein Traum / Ein Märchenflug durch Zeit und Raum".


 



Auch mit einer weiteren knisternden, traumhaft gefühlvoll ausgestalteten Ballade warten "Atlantis" auf ihrem aktuellen Album auf: "Die Welt hat sieben Wunder", ein Titel prall gefüllt mit echter Liebe, ernsten Komplimenten in Richtung einer schier unkopierbaren Schönheit, die das Lied-Ich, von derselben offenbar total hingerissen, frank und frei zum achten Weltwunder erklärt!

30 Jahre lang sind "Atlantis", wie erwähnt, nun schon im Geschäft und verfügen daher über eine Menge Lebenserfahrung – Daß die drei Herren (zumindest altersmäßig) nicht mehr die jüngsten sind, stört diese überhaupt nicht: Selbstironisch kokettiert das sympathische Trio mit seiner Reife, etwa in der frühlingsfrischen, äußerst eingängigen Beinahe-Rock’n’Roll-Nummer "Ich hab noch lange nicht genug"; aus Sicht der Verfassers dieser Zeilen einer der intensivsten überzeugendsten, hitkompatibelsten Beiträge vom bundesdeutschen CD-Debüt der Tiroler Erfolgsgaranten. Das Lied-Ich in "Ich hab noch lange nicht genug" bekennt sich zweifelsfrei und ohne jegliche Komplexe zu seinem Alter, weist aber nachdrücklich daraufhin, sich vom Geburtsdatum, das in seinem Personalausweis notiert ist, zu keinem Zeitpunkt in punkto Lebens- und Liebensfreude beeinflussen, gar beeinträchtigen zu lassen: "Ich hab noch lange nicht genug / Fühl mich erst jetzt so richtig gut / Ich bleib mir selber gerne treu / Trotzdem ist jeder Tag ganz neu"...

Eine wundervoll aufbauende, optimistische Hymne, die dem unheimlich wichtigen Lebensmotto "Man ist so jung, wie man sich fühlt" neue, konstruktive Nahrung gibt!

Ebenso aufmunternd, frohsinnstiftend, offensiv, im wahrsten Sinne des Wortes "lustvoll", dringt "Ich hab Lust" aus den Boxen, ein weiterer mehr als nur hitträchtiger Ohrwurm aus "Wir haben noch lange nicht genug", der fraglos alle Chancen besitzt, als bedeutsamer Sommerhit in die Annalen einzugehen – keß, verliebt, und durchaus offenherzig, schlägt das Lied-Ich, zu einer schnellen, aber dennoch hochromantischen Melodie, seiner Traumfrau unverblümt vor: "Ich hab Lust auf eine Nacht / In der uns niemand stört / Ich hab Lust auf eine Nacht / Die nur uns beiden gehört" – welche verliebte Lady kann da schon wiederstehen?

Hildegard Knef bat darum – "ATLANTIS" erfüllen ihr posthum diesen Wunsch mittels des musikalisch an die wiegenden, swingenden Rock’n’Roll-Schlager der ausgehenden 50er Jahre erinnernden Ohrwurms "Für Dich laß’ ich heut Rosen regnen": Ein fesch erklingender Liebesbeweis, luftig, sommerlich arrangiert – ein nächster Höhepunkt aus "Wir haben noch lange nicht genug", der gleichfalls Singlequalitäten besitzt und erneut das musikalische Können der drei Tiroler an den Tag legt.

Der Einstieg von Hans, Rudi und Gerhard alias "Atlantis" in die hiesige Schlagerszene hätte nicht trefflicher ausfallen können. Wer stilistisch ähnlich ausgerichtete Solokünstler der Sorte Andy Borg, G.G. Anderson oder Tommy Steiner bzw. Bandprojekte a la "Tanzpalais" oder "Fernando Express" mag, wird sich umgehend auch in die volkstümlich angehauchten Romantikschlager von "Atlantis" verlieben.

Problematisch erscheint an ihrem Debüt "Wir haben noch lange nicht genug" allerhöchstens die oft ein bißchen gleichförmig wirkenden Arrangements. Außerdem läßt die Gestaltung des CD-Beiheftes sehr zu wünschen übrig: Die ansprechenden, wie gleichsam ausnahmslos zum Mitsingen einladenden Texte sind darin derart kleinformatig – und noch dazu schwarz auf beige-braunem Hintergrund - abgedruckt, so daß Menschen mit Augenproblemen immense Schwierigkeiten haben werden, diese zu entziffern. Brillenträger Holger S. kann davon ein Lied singen...

Ansonsten dürften "Atlantis" mit "Wir haben noch lange nicht genug" ohne die geringsten Zweifel den sprichwörtlichen Vogel abgeschossen haben. Es ist mit einiger Sicherheit davon auszugehen, daß das Trio auch und gerade in der BR Deutschland in Kürze viele, viele Fans wird für sich gewinnen können und somit genau jene Reputation zu erreichen vermag, die "Atlantis" in der Alpenrepublik seit inzwischen 30 Jahren ihr Eigen nennen dürfen!


Gesamtnote – Musik/Texte:  1
Gesamtnote – Umsetzung/Arrangements: 3

Quelle: Holger Stürenburg, 21./22. Mai 2008

 

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