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29.04.2008 - 00:00:00

ALAN WOERNER
Konzert-Kritik von Holger Stürenburg:

Alan Woerner & the Wonderful Band - Dienstag, 15. April 2008 – Hamburg – "KuKuun"!

Mitte der 80er Jahre galt der in der Nähe von Frankfurt/Main geborene Singer/Songwriter ALAN WOERNER als einer DER hochgehandeltsten Geheimtips der seinerzeit mächtig florierenden Deutschpop-Szenerie.

Er veröffentlichte 1984 und 1986 bei CBS zwei überaus profunde, vielschichtige Alben, die von Kritikern und Musikgourmets gleichermaßen in bester Form goutiert wurden. Auf "...Bis irgendwas passiert" (84) und "Eins Plus Eins" (86) paarten sich elitärer New-Romantic-Pop britischer Machart mit edelstem David-Bowie-Ambiente und schöngeistiger, bildreicher Lyrik in muttersprachlichem Kontext. Es folgten einige Radiohits, Lobeshymnen in den einschlägigen Musik- und Kulturmagazinen, sowie umjubelte Tourneen im Vorprogramm von Chris de Burgh oder Purple Schulz – bis Alan Woerner kurz darauf ganze 16 Jahre lang eine Auszeit vom Musikerleben nahm und erst im Herbst 2004 sein langersehntes Comebackalbum "109" veröffentlichte, dessen Rezension aus meiner Feder man HIER NACHLESEN unter kann.

Anfang 2008 rief Alan Woerner, der inzwischen fest in Hamburg lebt, ein neues "Projekt" ins Leben, mit dem er derzeit unter dem Motto "Alan Woerner & the Wonderful Band" die norddeutsche Clubszene unsicher macht.
Vor rund 90 geladenen Gästen, zelebrierte er am vergangenen Dienstag, 15.04.2008, ein so wohlmundendes, wie außergewöhnliches Programm im schummrigen Kiezclub "KuKuun", mitten auf der Reeperbahn – ein schmackhaftes, nicht alltägliches Repertoire, das dem Rezensenten sogleich, von einer Sekunde auf die andere, in den Kopf schießen ließ: Hiermit hat Alan Woerner vermutlich sein persönliches "Born to Run" erschaffen, ergo seine persönliche Sichtweise bzw. Auslegung jenen kreativen Meilensteins, mit dem Bruce Springsteen vor 32 Jahren seinen endgültigen Durchbruch erzielte.

Aus Alans "Goldenen Tagen" in der kühlen Dekade fanden gerade mal zwei Titel – noch dazu in vollkommen neuen, aber absolut elektrisierend inszenierten Arrangements – Eingang in seine aktuelle Setlist. Außer der im Tempo stark gedrosselten und nahezu akustisch dargebotenen Feudalballade "Wie Berlin" (1986) und dem abgeklärt-hoffnungslosen Liebesdrama "Denn Du liebst doch nur die Liebe und nicht mich" (1984), hörten die hingerissenen Fans des großgewachsenen Wahlhamburgers am letzten Dienstag ausnahmslos Songmaterial aus dem Hier und Heute. Sogar aus Alans phänomenaler 2004er-Rückmeldung "109" kamen ausschließlich die ironische Selbstbezichtigung "Hurensohn" bzw. die urban-düstere Klangkaskade "Nachtflug" zum Einsatz.

Darüber hinaus gab’s nur gänzlich neue, bislang (noch) nicht auf Tonträger vorliegende Töne zu hören, die Alan, in Begleitung einer hervorragend miteinander harmonierenden, fünfköpfigen Band (dr, git, b, key, vio), teilweise erstmals überhaupt vor Publikum aufführte.


 



So vernahmen wir etwa so luftig Reggae-lastige, wie kongenial austarierte Wortspiele ("DesOrientexpress"), knisternd-prickelnde Balladen ("Du mußt geduldig mit mir sein"), das psychedelische "Play with Fire", im Original von den "Rolling Stones" ,mit betörendem deutschen Text als "Spielst mit Feuer", oder eine sehr intime, mehr als nur authentische Liebeserklärung an Alans Mutter, "Darf ich Dich vermissen".

Davon abgesehen aber, überwogen knackige, voranstrebende, rockig-hymnische Melodien, irgendwo angesiedelt zwischen frühem "Boss" und mittlerem Bowie; hervorragende Kompositionen voller Eingängigkeit und Esprit – und inhaltlich nicht selten mit einer ungewohnt ironischen, oft gar sarkastischen Note versehen, die wir von "Schöngeist" Alan Woerner bisher kaum erwartet hatten.

Krosse, geradlinige Rocker, wie "Zukunft in mir", "Bilder mit gezackten Rändern" (genialer Text!!!), "Irgendwas wird schon geh’n" oder "Sie will ihr eigenes Land" machen fraglos enormen Appetit auf ein in Bälde anstehendes, brandneues CD-Opus des so sensiblen, wie hochtalentierten Liederschreibers Alan Woerner, der das von ihm Gesungene nicht nur durchwegs selbst ersonnen, sondern häufig auch selbst erlebt hat.

Das aktuelle Liverepertoire von Alan Woerner legt einen Künstler an den Tag, der durch alle Höhen und Tiefen des Lebens, als Musiker, wie als Mensch, gegangen ist: Ehrlich, ungeschminkt, geradeaus, offen(siv), und zugleich zerbrechlich, fragil, gefühlvoll und nachdenklich.

Es ist sehr zu hoffen, daß in der doch so schnellebigen deutschen Popszene des Jahres 2008 irgendwo eine kleine, aber feine Nische frei ist, für einen so wundervollen, überzeugenden und begabten Komponisten, Lyriker und Interpreten, wie unser leider so verkanntes Jugendidol Alan Woerner!


Epilog:

Bereits Ende letzten Jahres, nach dem Auftritt der Hagener Deutschpunker "Extrabreit" im Hamburger "LOGO", erklärte der Rezensent deren erst am 09.05.08 auf CD erscheinende Brachialparodie "Andreas Baaders Sonnenbrille" zum ersten realen Kulthit des Jahres 2008. Der Verfasser dieser Zeilen, bekanntlich eher "schrägen" Klängen mehr als nur aufgeschlossen, deklamiert am 15.04.2008, kurz vor Mitternacht, Alan Woerners bitterböse Ode "Bilder mit gezackten Rändern" stehenden Fußes zum zweiten, zwar noch nicht auf Tonträger festgehaltenen, aber dennoch real existierenden Kultklassiker für wahre Genießer im angebrochenen Jahr 2008.  "Extrabreit", wie auch Alan, werden mit genanntem vertonten Anarcho-Sarkasmus sicherlich nicht die Hitparaden stürmen; in die Herzen originärer, querdenkender, unorthodoxer Musikfreaks dürften sich aber beide Acts bereits jetzt mit voller Wucht hineingesungen haben!

Bitte beachten Sie auch: www.myspace.com/alanwoerner. Dort gibt es einige der hier angesprochenen, brandneuen Songs vorab zu hören!


Foto-Credit: Robin Klöppel für www.alanwoernder.de

Quelle: Holger Stürenburg, 15./16. April 2008

 

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