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13.02.2008 - 00:00:00
ACHIM PETRY
Konzertbericht – Achim Petry & Band!
"Der Wahnsinn geht weiter" – diese Formulierung mag schon einwenig abgenutzt klingen; trotzdem trifft sie den Kern der Sache punktgenau: Kaum mehr als ein Jahr nach dem Rückzug von WOLFGANG Petry aus dem bundesdeutschen Showgeschäft, tritt nun sein hochbegabter Sohn ACHIM PETRY (Alter), mit demselben gesanglichen Talent, demselben kreativen Elan beseelt, wie sein Herr Papa, schnellsten Schrittes in dessen Fußstapfen.
Was auf den Außenstehenden womöglich wie ein genialer Marketingschachzug wirken mag, stellt für den interessierten Fan, den intimen Beobachter, etwas ganz, ganz anderes, radikal ehrliches und authentisches dar: Eine munter rockende Hommage eines Sohnes an die großartige, im positivsten Sinne des Wortes, "wahnsinnige", musikalische Leistung seines honorigen Vaters.
Wolfgang Petry verbrachte genau 30 Jahre – von 1976 bis 2006 – inmitten des einheimischen Schlagerbusiness. Er erlebte Höhen und Tiefen und galt spätestens nach 1992 als DER deutsche Gratwandler zwischen eingängigem Schlager und harten, gitarrenlastigen Rockarrangements, der nicht nur zig Millionen CDs verkaufte, sondern zugleich – was wohl kein anderer Vertreter des Genres, das gemeinhin als "Schlager" klassifiziert wird, jemals geschafft hat – in der Lage war, die größten Hallen und Arenen der Bundesrepublik Deutschland bis auf den letzten Platz zu füllen.
Dieses künstlerische Erbe setzt sein Sohnemann Achim nun auf gleichem, hohen qualitativen Level ohne jegliche Abstriche fort. Davon konnten sich am vergangenen Freitagabend (08.02.2008) im urig-gemütlichen "Delphi Showpalast" zu Hamburg-Eimsbüttel an die Tausend Fans von Vater, wie Sohn Petry, in bester Form überzeugen.
Eigentlich hätte der Hamburger Auftritt Achim Petrys bereits am 18. Januar diesen Jahres stattfinden sollen – zu diesem Zeitpunkt weilte Herr Petry jun. aber im fernen Australien, wo er als Titelmelodie der zurecht nicht unumstrittenen RTL-Show "Ich bin ein Star – holt mich hier raus" eine klanglich aufgemotzte und textlich leicht abgeänderte Version des unverbrüchlichen Partyaufmischers "Wahnsinn" zum Besten gab, weshalb das Konzert von Achim und seiner Band in des Rezensenten Heimatstadt um rund drei Wochen, eben auf den vergangenen Freitag, verschoben werden mußte.
Dies tat der Stimmung im "Delphi Showpalast" jedoch keinerlei Abbruch – und die überaus nette Geste, daß jeder Besucher des Hamburger Konzerts am Eingang eine handsignierte Maxi-CD mit dem "Dschungel-Wahnsinn" überreicht bekam, bewies, daß Achim einen ebenso unpathetischen und persönlichen Draht zu seinen Anhängern sucht, wie Zeit seiner Karriere sein Herr Papa.
Rund tausend Petry-Freaks, von sieben bis 70, allerdings überwiegend weiblichen Geschlechts, hatten also am vergangenen Freitagabend den Weg in die Eimsbütteler Chaussee 5 gefunden. Was diese dort, im ansonsten fast ausnahmslos als Musicaltheater genutzten "Delphi Showpalast", erleben durften, läßt sich nicht anders umschreiben, als mit dem sosehr überstrapazierten Begriff "Wahnsinn"!
Auf die Minute genau zwei Stunden reguläres Programm plus nahezu 20 Minuten Zugaben, dargeboten von einem so glücklichen, wie hingerissenen Achim Petry und seiner siebenköpfigen Band – 2 x git, 2 x key, dr, b und einer supersüßen Chorsängerin – hinterließen ein rundum zufriedenes Publikum und einen schier sprachlosen Sänger, der mit einer solchen überdimensionalen Welle an Sympathiebekundung wohl selbst kaum gerechnet hatte.
Achim und Band präsentierten ein Repertoire, das die größten Hits und beliebtesten Hymnen seines Vaters genauso umfaßte, wie die prägnantesten Titel aus des Herrn Sohnes aktueller Solo-CD "So wie ich".
Die meisten anwesenden Zuhörer dürften – ebenso wie der Verfasser dieser Zeilen – gemeinsam mit "Wolles" Musik aufgewachsen sein. Seine frühen Erfolge haben uns in die 80er Jahre hineingeführt, seine knackigen Ohrwürmer 1992ff. haben uns die (darüber hinaus absolut) uncoolen 90er soweit unversehrt überstehen lassen – allesamt dieser göttlichen Melodien sind heutzutage, anno 2008, ein nicht weg zu diskutierender Teil unseres Lebens.
So war und ist unsere Freude darüber immens, daß "Wolles" Sohn Achim all diese klanglichen Zeitzeugnisse unserer Jugend mit so enorm viel Charme, Stimmstärke und so liebenswerter Ehrerbietung weiterleben läßt – und sie nicht einfach zweitklassigen Coverbands und/oder dümmlichen "Wolle"-Imitatoren opfert.
Knapp 30 Titel kamen am vergangenen Freitagabend zum Einsatz: Rockiger, bluesorientierter gitarrenlastiger, ja durchaus kompakter verpackt bzw. arrangiert, als bei Herrn Petry sen., vernahmen wir eine genialische Mixtur aus 70er/80er-Krachern der Sorte "Der Himmel brennt" (1982), "Ganz oder gar nicht" (1980), "Gianna (Liebe im Auto)" (1979), "Jessica" (1981), – NATÜRLICH (!!!) – "Wahnsinn" (1983); und den unverbrüchlichen Ewigkeitshämmern aus der monumentalen Ära nach "Wolles" phantastischem und so unerwarteten Comeback 1992.
Diese hießen etwa "Wieso und weshalb" (1992), "Sieben Tage, Sieben Nächte" (1995), "Du bist ein Wunder (1992), "Augen zu und durch (Besch*** war die Nacht)" (1997), "Weiber" (dto.), "Ruhrgebiet" (1993) oder "Scheißegal" (1995). Noch niemals von Herrn Petry sen. ‚live’ aufgeführt wurde übrigens der Spät-80er-Geheimtip "Auf den Mond schießen (hinterher fliegen)", was sein Herr Sohn nun umgehend nachholte.
Damit wir uns hier nicht falsch verstehen: Achim Petry trällert die Evergreens seines Vaters nicht einfach nur lieblos nach. Er verleiht, zumal stimmlich ganz anders ausgerichtet, diesen Ewigkeitsohrwürmern regelmäßig eine ganz spezielle, persönliche Note, die seine Interpretationen dieser einerseits zu einer konsequenten Verbeugung vor den unübertrefflichen Leistungen seines Vaters und andererseits zu einer gänzlich eigenständigen, originären Auslegung derselben avancieren läßt.
Zunächst, so erzählte Achim seinem treuen Publikum, war es geplant, daß er ausschließlich mit den Hits seines Vaters auf Tournee ginge. Doch dann sei man auf die Idee gekommen, ihn, Achim, eine eigene Silberscheibe mit vollkommen neuen, wenn auch im altbekannten Stil konzipierten Titeln aufnehmen zu lassen. Gesagt, getan: Kurz vor Weihnachten letzten Jahres erschien das Album "So wie ich" – 13 wundervolle Neukompositionen, zwar durchwegs im musikalischen Fahrwasser "Wolles" gehalten, aber zugleich radikal hitträchtig und direkt ins Ohr gehend. Ein paar Beiträge daraus stellte Achim auch am vergangenen Freitag in Hamburg vor – und siehe da: die Fans vor Ort waren auch bei diesen neuen Titeln beim Mitsingen nicht weniger textsicher, als bei "Wolles" Langzeit-Klassikern.
Weitaus rockiger, fetziger und "härter" arrangiert, als auf genannter CD, zelebrierte Achim aus "So wie ich" radikale Tanzflächenfüller, wie "Keiner liebt Dich" (die erste Singleauskoppelung), "Das Wunder kam", "Das wird ne lange Nacht", "Das hat mir gerade noch gefehlt", "Wie ein Komet" oder gleichsam knisternde Balladen a la "Wie ein offenes Buch". Der rifflastige Mid-Tempo-Rocker "Bis ans Ende der Welt" riecht förmlich nach der nächsten Singleauskoppelung, nach dem nächsten Gassenhauer, aus "So wie ich" : )
Mit einer – hauptsächlich vom geradezu aus dem sprichwörtlichen Häuschen geratenen – Publikum gesungenen, geschrienen, gegrölten Fassung von "Verlieben, Verloren, Vergessen, Verzeihen", endete um punkt 22.00 Uhr der offizielle Teil von Achim Petrys konzertärem Vortrag. Doch niemand im "Delphi Showpalast" hegte irgendeine Form von Interesse daran, ihn und seine plietsche Band (inkl. seiner supersüßen Chorsängerin. der Verf.) einfach so in den milden Vorfrühlingsabend zu entlassen.
"Zu-ga-be, Zu-ga-be", erschallte lautstark aus diversen Kehlen, so daß es sich der Star des Abends nicht nehmen lassen konnte, nochmals die Bühne zu betreten: Es folgten nun der "Dschungel-Wahnsinn", "Weiß der Geier" (1997) und, akustisch und balladesk inszeniert, "Hope and Help", Achims hyperehrliche musikalische Unterstützung gleichnamiger Stiftung gegen Kinderarmut, sowie – rockig-rotzig – Bryan Adams’ freche Jugenderinnerung "Summer of 69".
Daran anschließend – immerhin nach knapp zweieinhalb Stunden – war unwiderruflich Schluß. Doch, wer Familie Petry kennt, weiß, daß nach der Show stets der persönliche Kontakt zu den Fans gesucht wird. Achim stand noch mehrere Stunden nach offiziellem Konzert-Ende seinen Anhängern Rede und Antwort, unterzeichnete zig Autogrammkarten, ließ sich ein ums andere Mal mit diversen Nachtlebenschönheiten photographieren... ein echter Star, ohne alle Allüren... ein Kumpel von Nebenan... ein realer MENSCH im "Haifischbecken" des einheimischen Musikgeschäfts. Hut ab, vor so viel Humanität und "Normalität"!
Ja, lieber Achim, wenn Du mir nun noch ein Date mit Deiner Chorsängerin ausmachst (g*), und Du Dich bei künftigen Eigenproduktionen deutlich vom traditionellen Schlager weg- und zum gitarrenlastigen, klassischen Deutschrock hin entwickelst, dann gilt das, was ich Dir vorhin gesagt habe: HEUTE noch der – relativ kleine – "Delphi Showpalast" – und vielleicht morgen schon eine bis auf den letzten Platz ausverkaufte "Color Line Arena".
Du hast wahrhaftig alle Chancen – das hat Dein Konzert am 08.02.2008 zweifellos bewiesen – nutze sie – und dann sehen wir uns bald im Stadion wieder!
Quelle: Holger Stürenburg, 08./09.02.2008
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